Wahlweiser zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026
Themen, Parteien, Spitzenkandidat:innen und eine Findungshilfe für die Wahl zum 9. Landtag
Wahltag war: Sonntag, 6. September 2026 Stand: 20. August 2026→ Geführte Ansicht fürs Handy (Beta) — dieselben Inhalte, Schritt für Schritt zum Antippen. Diese Textfassung bleibt die vollständige, verbindliche Version.
0. Die Wahl im Überblick
Am 6. September 2026 hat Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag gewählt. Regiert wird das Land seit 2021 von der sogenannten „Deutschlandkoalition" aus CDU, SPD und FDP — allerdings nicht mehr unter Reiner Haseloff: Der langjährige Ministerpräsident (im Amt seit 2011) kündigte am 7. August 2025 an, nicht erneut anzutreten. Die Koalition zog die Amtsübergabe vor, sodass Sven Schulze (CDU) am 28. Januar 2026 zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Er tritt jetzt erstmals als Spitzenkandidat an.
Warum diese Wahl besonders beobachtet wird: Die AfD liegt in allen aktuellen Umfragen zwischen 41 und 43 Prozent und damit rund 18 bis 20 Prozentpunkte vor der CDU. Sie ist damit erstmals in Reichweite einer eigenen Mehrheit in einem deutschen Landesparlament — ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat eine „AfD-geführte Alleinregierung" als erklärtes Ziel benannt. Alle anderen Parteien schließen eine Koalition mit ihr aus. Ob eine Regierung ohne die AfD zustande kommt, hängt deshalb rechnerisch davon ab, wie viele kleine Parteien die Fünf-Prozent-Hürde schaffen (siehe Abschnitt 6).
Jede wahlberechtigte Person hat zwei Stimmen: eine Erststimme für eine Direktkandidatin oder einen Direktkandidaten im eigenen Wahlkreis (41 Wahlkreise) und eine Zweitstimme für eine Landesliste. Die Zweitstimme entscheidet über die Sitzverteilung im Landtag und ist damit die politisch entscheidendere Stimme. Eine Partei zieht nur ein, wenn sie mindestens 5 Prozent der Zweitstimmen erreicht. Anders als bei der Bundestagswahl gibt es in Sachsen-Anhalt keine Grundmandatsklausel — ein oder mehrere gewonnene Direktmandate helfen einer Partei unter 5 Prozent also nicht in den Landtag.
Zur Wahl zugelassen sind 15 Landeslisten (Beschluss des Landeswahlausschusses vom 24. Juli 2026). Dieser Wahlweiser behandelt die sieben Parteien, die entweder im Landtag vertreten sind oder in Umfragen in Reichweite der Fünf-Prozent-Hürde liegen: CDU, AfD, Die Linke, SPD, FDP, Grüne und BSW. Die weiteren acht Listen (u. a. Freie Wähler, dieBasis, Tierschutzpartei, Die PARTEI, Volt) treten ebenfalls an, werden hier aber nicht im Detail dargestellt.
Ausgewertet wurden für Abschnitt 3 und 4 ausschließlich die offiziellen Wahlprogramme 2026 aller sieben Parteien (Volltext der Original-PDFs). Alles, was darüber hinausgeht — Umfragen, Kandidat:innen, Regierungsbilanz, Verfassungsschutz-Einstufungen — ist gesondert belegt (siehe Quellen).
Aktuelle Umfragen (Sonntagsfrage)
Wie es dazu kam: die Legislaturperiode 2021–2026
Drei Ereignisse prägen den Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre und tauchen in fast allen Wahlprogrammen direkt oder indirekt auf:
- Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt am 20. Dezember 2024. Ein Autofahrer fuhr rund 400 Meter durch den Markt am Alten Markt; sechs Menschen starben (fünf Frauen zwischen 45 und 75 Jahren und ein neunjähriger Junge), rund 300 wurden verletzt. Am 26. Juni 2026 verurteilte das Landgericht Magdeburg den Täter zu lebenslanger Freiheitsstrafe bei besonderer Schwere der Schuld und mit Vorbehalt der Sicherungsverwahrung. Der parlamentarische Untersuchungsausschuss legte am 19. Mai 2026 seinen Abschlussbericht vor: Er benennt ein veraltetes Sicherheitskonzept mit einer nicht bemerkten Lücke im Überfahrschutz, einen versagenden Informationsaustausch (der Täter hatte bundesweit Kontakt zu über 110 Behörden, wurde aber nie als Gefährder erkannt) und ein fehlendes Bedrohungsmanagement im LKA.
- Das Aus für die Intel-Chipfabrik in Magdeburg im Juli 2025. Geplant waren zunächst 17, später rund 30 Milliarden Euro Investition, 9,9 Milliarden Euro Bundesförderung und etwa 3.000 direkte Arbeitsplätze. Intel sagte das Projekt im Rahmen eines globalen Sparprogramms endgültig ab. Das Land hat das rund 400 Hektar große Intel-Areal im Mai 2026 zurückgekauft; dort soll nun ein „High-Tech-Park Sachsen-Anhalt" mit mehreren kleineren Ansiedlungen entstehen, der mit Flächen in Sülzetal und Wanzleben-Börde insgesamt rund 1.100 Hektar umfasst.
- Die Bundestagswahl am 23. Februar 2025, bei der die AfD in Sachsen-Anhalt mit 37,1 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft wurde (+17,5 Punkte), während die SPD auf 11,0 Prozent fiel (−14,4 Punkte).
Hinzu kommt die angespannte Haushaltslage: Der Doppelhaushalt 2025/26 umfasst 15,1 beziehungsweise 15,6 Milliarden Euro bei einer Nettoneuverschuldung von rund einer Milliarde Euro jährlich. Der Schuldenstand des Landes wird bis Ende 2026 auf über 25 Milliarden Euro steigen — pro Kopf gerechnet nach Berechnung des Bundes der Steuerzahler der höchste Wert aller Flächenländer.
1. Fachwörter-Glossar
- Erststimme
- Stimme für eine Person (Direktkandidat:in) in einem der 41 Wahlkreise Sachsen-Anhalts. Wer dort die meisten Erststimmen bekommt, zieht direkt in den Landtag ein — unabhängig vom Zweitstimmenergebnis der eigenen Partei. 2021 gewann die CDU 40 der 41 Direktmandate, die AfD eines.
- Zweitstimme
- Stimme für eine Landesliste (Partei). Sie bestimmt die Gesamtsitzverteilung im Landtag und damit die Stärke jeder Partei. Gilt allgemein als die wichtigere der beiden Stimmen.
- 5-%-Sperrklausel
- Eine Partei zieht nur in den Landtag ein, wenn sie landesweit mindestens 5 Prozent der Zweitstimmen erreicht. Wichtig für Sachsen-Anhalt: Es gibt keine Grundmandatsklausel — anders als bei der Bundestagswahl rettet auch der Gewinn von Direktmandaten eine Partei unter 5 Prozent nicht in den Landtag. Nach aktuellen Umfragen betrifft dieses Risiko SPD, Grüne, BSW und FDP.
- Direktmandat
- Ein über die Erststimme im Wahlkreis gewonnener Sitz.
- Überhang- und Ausgleichsmandate
- Gewinnt eine Partei über Direktmandate mehr Sitze, als ihr nach Zweitstimmenanteil zustünden, behält sie diese „Überhangmandate". Damit die Sitzverteilung insgesamt wieder dem Zweitstimmenergebnis entspricht, bekommen die anderen Parteien „Ausgleichsmandate" — der Landtag wird dadurch größer als seine Regelgröße von 83 Sitzen. 2021 wuchs er auf 97 Sitze an, weil die CDU 40 von 41 Direktmandaten gewann, ihr nach Zweitstimmen aber deutlich weniger zugestanden hätten.
- Hare/Niemeyer-Verfahren
- Das in Sachsen-Anhalt verwendete Rechenverfahren, mit dem Zweitstimmen in Sitze umgerechnet werden. Für die Wahlentscheidung selbst spielt es kaum eine Rolle.
- Landesliste
- Die von einer Partei vor der Wahl festgelegte Rangliste ihrer Kandidat:innen. Je nach Zweitstimmen-Sitzzahl rücken die Listenplätze von oben nach unten in den Landtag ein.
- Fraktion
- Der Zusammenschluss aller gewählten Abgeordneten einer Partei im Landtag. Eine Fraktion muss eine Mindestgröße erreichen; einzelne Abgeordnete ohne Fraktion gelten als „fraktionslos" und haben deutlich weniger Rechte (etwa bei Redezeit, Ausschusssitzen und Personalmitteln).
- Koalition
- Ein Regierungsbündnis mehrerer Parteien, die gemeinsam eine Mehrheit im Landtag bilden und die Landesregierung stellen. Seit 2021 regiert in Sachsen-Anhalt eine „Deutschlandkoalition" aus CDU, SPD und FDP (Farben Schwarz-Rot-Gelb).
- Ministerpräsident:in
- Regierungschef:in des Landes, gewählt vom Landtag — nicht direkt von der Bevölkerung. Für die Wahl im ersten Wahlgang ist die Mehrheit der Mitglieder des Landtags nötig.
- Sperrminorität
- Erreicht eine Fraktion mehr als ein Drittel der Sitze, kann sie alle Entscheidungen blockieren, die einer Zweidrittelmehrheit bedürfen — in Sachsen-Anhalt sind das unter anderem Änderungen der Landesverfassung und die Wahl der Richter:innen des Landesverfassungsgerichts. Angesichts der Umfragewerte ist das bei dieser Wahl ein realistisches Szenario und ein Grund, warum viele Beobachter:innen auf die Sitzarithmetik und nicht nur auf die Regierungsbildung schauen.
- Landeskompetenz
- Nicht alles, was in einem Landtagswahlprogramm steht, kann ein Bundesland auch selbst entscheiden. Rente, Steuersätze, Asyl- und Staatsangehörigkeitsrecht, Strafrecht, Mindestlohn und Außenpolitik sind Bundes- oder EU-Sache; das Land kann dort nur über eine Bundesratsinitiative Anstöße geben, die eine Mehrheit der Länder finden muss. In diesem Wahlweiser ist bei jeder Partei gekennzeichnet, welche zentralen Versprechen in diese Kategorie fallen — das ist ein neutraler Sachhinweis, keine Bewertung.
- Bundesratsinitiative
- Ein Antrag eines Bundeslandes im Bundesrat, ein Bundesgesetz zu ändern. Er wird nur wirksam, wenn eine Mehrheit der Länder zustimmt und anschließend auch der Bundestag mitgeht — ein Land allein kann so nichts durchsetzen.
- Konnexitätsprinzip („Wer bestellt, bezahlt")
- Der Grundsatz, dass die staatliche Ebene, die eine neue Aufgabe beschließt, deren Kosten auch tragen muss. Praktisch geht es meist darum, ob das Land den Kommunen Aufgaben überträgt, ohne die Finanzierung mitzuliefern. Fast alle Parteien fordern hier Nachbesserungen — mit unterschiedlicher Verbindlichkeit.
- Schuldenbremse
- Die im Grundgesetz (Art. 109/115) und in der Landesverfassung verankerte Regel, die die Neuverschuldung von Bund und Ländern stark begrenzt. Sie ist bei dieser Wahl eine echte Trennlinie: CDU, FDP und AfD wollen sie strikt einhalten, die Grünen sie „verantwortungsvoll reformieren", BSW sie abschaffen, die Linke nimmt eine höhere Verschuldung bewusst in Kauf, die SPD nennt den Begriff in ihrem Programm gar nicht.
- Sondervermögen
- Ein vom regulären Haushalt getrennter Topf, oft kreditfinanziert. Der Bund hat 2025 ein Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität aufgelegt, aus dem auch Sachsen-Anhalt Mittel erhält. Umstritten ist, ob solche Töpfe zusätzliche Investitionen ermöglichen oder die Schuldenbremse aushöhlen.
- Sonntagsfrage
- Eine Umfrage danach, welche Partei die Befragten wählen würden, „wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre". Sie bildet die aktuelle Stimmung ab, ist keine Prognose und hat eine Fehlertoleranz von meist ±2 bis ±3 Punkten. Gerade an der Fünf-Prozent-Hürde ist sie deshalb nur eingeschränkt aussagekräftig.
- Verfassungsschutz-Einstufung (Prüffall / Verdachtsfall / gesichert extremistisch)
- Ein dreistufiges System, mit dem Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern politische Organisationen auf Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen einordnen. „Prüffall" ist die niedrigste, „gesichert extremistisch" die höchste Stufe. Eine Einstufung ist eine behördliche Beobachtungskategorie — kein Gerichtsurteil über Verfassungswidrigkeit und kein Parteiverbot. Sie erlaubt der Behörde aber den Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel.
- Parteiverbotsverfahren
- Nach Art. 21 Abs. 4 Grundgesetz kann allein das Bundesverfassungsgericht eine Partei verbieten — und nur auf Antrag von Bundestag, Bundesrat oder Bundesregierung. Ein Bundesland kann ein solches Verfahren also nicht selbst einleiten, sondern nur über den Bundesrat darauf hinwirken. SPD und Grüne fordern das in ihren Programmen für die AfD.
- Wahl-O-Mat
- Ein offizielles, unabhängiges Online-Tool der Bundeszentrale für politische Bildung, das eigene Positionen zu ausgewählten Thesen mit den Antworten aller antretenden Parteien abgleicht. Es ist unter wahl-o-mat.de erreichbar und eine sinnvolle, neutrale Ergänzung zu diesem Wahlweiser.
2. Die wichtigsten Themen dieser Wahl
Aus der Auswertung aller sieben Wahlprogramme ergeben sich zehn Themenfelder, die alle Parteien behandeln — mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten und Lösungsansätzen. Die Themen sind auf ein ostdeutsches Flächenland zugeschnitten: Was in einer Großstadt „Verkehrswende" heißt, ist hier die Frage, ob der Bus im Dorf überhaupt noch fährt. Abschnitt 3 vergleicht die Positionen direkt, Abschnitt 4 geht pro Partei in die Tiefe.
💼 Wirtschaft, Industrie & Strukturwandel
- Nach dem Intel-Aus: Was wird aus dem High-Tech-Park? Zukunft der Chemieindustrie im Mitteldeutschen Revier, Fachkräftemangel, Bürokratieabbau, Unternehmensnachfolge
⚡ Energie & Klima
- Strompreise und Netzentgelte, Windkraftausbau und seine Akzeptanz, Kohleausstieg 2038, Wasserstoff — das Feld mit den größten Unterschieden zwischen den Parteien
🏫 Bildung & Schule
- Unterrichtsversorgung bei 93,6 Prozent, Lehrkräftemangel und Seiteneinsteiger, Streit über die Schulstruktur, Kita-Finanzierung und Personalschlüssel
🏥 Gesundheit & Pflege
- Von 72 Krankenhäusern 1991 auf 44 heute, Ärztemangel auf dem Land, Umsetzung der Krankenhausreform, Geburtshilfe, Pflege-Eigenanteile
👮 Innere Sicherheit & Justiz
- Konsequenzen aus dem Magdeburger Anschlag, Personalstärke der Polizei, Videoüberwachung und KI-Analyse, Katastrophenschutz, Justizverfahren
🌍 Migration & Integration
- Bezahlkarte, Abschiebehafteinrichtung, Sprachförderung, Anerkennung ausländischer Abschlüsse — und die Frage, ob Zuwanderung Problem oder demografische Notwendigkeit ist
🚜 Ländlicher Raum, Landwirtschaft & Mobilität
- Busanbindung im Flächenland, Deutschlandticket, A14 und A143, Glasfaser und Funklöcher, Agrarbürokratie, Wolf, Bodenmarkt
🤝 Soziales, Familie & Wohnen
- Kinderarmut, Altersarmut bei niedrigen Ostrenten, Wohneigentum und sozialer Wohnungsbau, Inklusion, Gleichstellung und Gewaltschutz
🖥️ Verwaltung, Digitalisierung & Finanzen
- Über 25 Milliarden Euro Landesschulden, Kommunalfinanzen und Konnexität, Verwaltungsreform, Digitalisierung von Behördengängen, Umgang mit der Schuldenbremse
🗳️ Demokratie, Kultur & Zusammenhalt
- Volksentscheide und Bürgerräte, Zukunft von MDR und Rundfunkbeitrag, Kulturförderung in der Fläche, Ehrenamt, Erinnerungskultur, Umgang mit Extremismus
3. Positionen im Vergleich
Diese Tabelle fasst den zentralen programmatischen Ansatz jeder Partei pro Thema in einem Satz zusammen — ausschließlich auf Grundlage der offiziellen Wahlprogramme 2026. Sie ist bewusst eine starke Verkürzung. → Vertiefte Fassung mit ausführlichen Details, Originalzitaten und Seitenangaben pro Partei und Thema
Eine konkrete Frage, eine Partei je Karte, mit dem Wortlaut aus dem Programm hinter „Mehr anzeigen“. 30 Streitfragen in 10 Themenfeldern, 210 Parteiantworten: 198 mit wörtlichem Beleg und Seitenzahl, 12 als Leerstelle ausgewiesen. Keine Aussage steht ohne Beleg da, und jede Leerstelle ist gegen das vollständige Wahlprogramm geprüft. Die Tabelle unten zeigt dagegen alle sieben Parteien nebeneinander.
| Thema | CDU | AfD | Die Linke | SPD | FDP | Grüne | BSW |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Wirtschaft & Industrie |
Top-5-Ansiedlungsregion Europas, „Chemie- und Pharma-Hub", High-Tech-Park in fünf Jahren; One-in-one-out, fünf Jahre keine neuen Landesauflagen | Mittelstand statt Großkonzern-Subventionen; Intel gilt als Beleg gescheiterter Förderpolitik; Zwei-für-eins-Regel beim Bürokratieabbau, Meisterprämie bis 5.000 € | Aktive, demokratisch gesteuerte Industriepolitik: Investitionsfonds mit Beteiligung statt Subventionen, Förderung nur gegen Tarifbindung, Vergabemindestlohn 16,50 € | Task Force „Chemieindustrie in der Transformation", Tariftreuegesetz beibehalten, Ausbildungsfonds für alle Unternehmen, Bürokratieabbau ohne Standardabbau | Sonderwirtschaftszonen auf dem Intel-Gelände und in Leuna mit Steuererlass, Tariftreuegesetz abschaffen, Privatisierungsoffensive, Ladenöffnung liberalisieren | Wirtschaftsförderung an Klimaschutz koppeln (GreenInvest), Transformationsfonds für KMU, Innovationscluster, Glasfaser „bis zur letzten Milchkanne" | Schuldenbremse abschaffen und öffentlich investieren, Kommunen vollständig entschulden, Binnennachfrage über höhere Löhne; Untersuchungsausschuss zum Intel-Komplex |
| Energie & Klima |
Teilung der Strompreiszone, Kohleausstieg 2038 bleibt, Gas- und Wasserstoffkraftwerk, keine Solarpflicht, Windräder nur mit kommunaler Zustimmung, kein Landesklimaziel | Windkraftmoratorium, alle EE-Subventionen streichen, Kohle über 2038 hinaus, Wiedereinstieg in Kernenergie, Nord Stream reparieren, Pariser Abkommen kündigen | Klimaneutral bis 2035 mit verbindlichem CO₂-Budget, 2,2 % Windfläche, Solarpflicht für Neubauten, Netze in öffentliche Hand, klare Absage an Atomkraft | Erneuerbare als günstigste Energie, Netzentgelte deckeln, Stromsteuer senken, kommunale Kreiswerke, Klimaschutzgesetz mit Reduktionspfaden — ohne Zieljahr | Wiedereinstieg in die Kernenergie inklusive SMR-Neubauprogramm, Fracking-Genehmigungsregime statt Verbot, faire Netzentgelte, Emissionshandel als Leitinstrument, Onshore-CCS | 100 % erneuerbarer Strom bis 2030, Klimaneutralität 2035, Klimaschutz als Staatsziel in der Landesverfassung, Kohleausstieg spätestens 31.12.2034, CCS und Fracking abgelehnt | Technologieoffener Mix inklusive Braunkohle, Gasverhandlungen mit Russland und Nord-Stream-Nutzung, CO₂-Abgabe und EEG abschaffen, keine Windräder im Wald |
| Bildung & Schule |
Gegliedertes System, neue „Oberschule" aus Sekundar- und Gemeinschaftsschule, 4+1-Praxislerntag, Sprachtest vor der Einschulung, Vorschuljahr ausbauen | Mehrgliedriges System stärken, Gymnasium auf 25 % begrenzen, Inklusion beenden und Förderschulen ausbauen, verbindliche Schullaufbahnempfehlung, Sonderklassen für Flüchtlingskinder | Beitragsfreie Kita mit 10-Stunden-Anspruch, ca. 1.200 Schulsozialarbeitsstellen, zehnjährige Vollzeitschulpflicht, Gemeinschaftsschule als zweite Säule | Programm gegen Unterrichtsausfall, 1.200 Lehramts-Studienplätze halten, mittelfristig Gymnasium plus Gemeinschaftsschule, Schulsozialarbeit ab 2028 aus Landesmitteln | Differenziertes Schulsystem inklusive Förderschulen erhalten, landeseinheitlicher Schülerkostensatz, 1,5-jährige Seiteneinsteiger-Qualifizierung, Sprachtest ab drei Jahren | Sekundarschulen abschaffen, Gemeinschaftsschulen mit eigener Oberstufe, gemeinsame Grundschulzeit bis Klasse 6, Rückkehr zu G9, Förderschulen „Lernen" abschaffen | Längeres gemeinsames Lernen bis Klasse 6, perspektivisch 8; Gemeinschaftsschule als Leitmodell, beitragsfreie Kitas, keine Smartphones im Unterricht bis Klasse 8 |
| Gesundheit & Pflege |
Krankenhäuser bis 2030 zu profilierten Netzwerkzentren, Trägervielfalt erhalten, „Medi-Bus" als rollende Hausarztpraxis, gedeckelte Pflege-Eigenanteile (Bund) | Investitionsvolumen zurück auf 180 Mio. €, keine weitere Klinikprivatisierung, Landarztstipendium, 20 % mehr Medizinstudienplätze, Landespflegegeld | Rettungsschirm von 300 Mio. €, kommunaler Klinikverbund mit Landesbeteiligung, Fallpauschalen abschaffen, Landespflegegeld 1.500 €/Jahr | Krankenhäuser nach Qualität statt „Kapitalinteressen", Landeshilfe bei Rekommunalisierung, Pflegeassistenz-Ausbildung ab 2027, hebammengeführte Kreißsäle ausbauen | Rollende Arztpraxen und Facharzt-Busse, Physician Assistants ausbauen, alle 44 Krankenhäuser erhalten und telemedizinisch vernetzen, kapitalgedeckte Pflegeversicherung | Sicherstellungszuschläge und Rekommunalisierung, kommunale MVZ ohne private Investoren, Schulgeldfreiheit in allen Pflegeberufen, Pflegevollversicherung | Keine Krankenhausschließungen, Rückführung in öffentliche Hand, Tariftreuegesetz für Kliniken, Bürgerversicherung, Gemeindeschwestern, Landesstipendien |
| Sicherheit & Justiz |
Polizei auf weit über 8.100 Bedienstete, Taser flächendeckend, landesweiter KI-gestützter Videoschutz, biogeographische DNA-Analyse, Zielzeiten für Gerichtsverfahren | 7.500 Polizeivollzugsbeamte, Taser, freiwillige „Bürgerwacht", 300 Abschiebehaftplätze, Antifa als Terrororganisation einstufen, Strafmündigkeit ab 12, Corona-Amnestie | 500 neue Polizeistellen bis 2030, Kennzeichnungspflicht und unabhängige Beschwerdestelle, klare Ablehnung von Palantir, Verfassungsschutz umbauen | Polizei entlasten und Beförderungsstau abbauen, Polizeibeauftragten stärken, Justizstandorte erhalten, AfD-Verbotsprüfung über den Bundesrat | 7.000 Vollzugs- plus 1.200 Verwaltungsstellen, alle Waffenverbotszonen abschaffen, E-Akte bis 2030, Landesfonds für Katastrophenschutz | Personalausbau bis 7.000 Vollzugsstellen, unabhängige Polizeibeauftragte, Palantir, Gesichtserkennung und Chatkontrolle abgelehnt, AfD-Verbotsverfahren | Rund 7.000 Polizeibeamte bis 2028, Regelbeförderung, Fokus auf organisierte Kriminalität, Palantir abgelehnt, Katastrophenschutzgesetz novellieren |
| Migration & Integration |
Irreguläre Migration „auf null", Abschiebungen nach Syrien, Afghanistan, Irak, Bezahlkarte mit 50-€-Bargeldgrenze, Abschiebeeinrichtung ab 2027 | Aufnahmestopp und Aufnahmeverweigerung, Abschiebeoffensive mit 100 Mio. €, Remigrationsbeauftragter, Bundesratsinitiative zur Abschaffung des Asyl-Grundrechts | Migration als demografische Chance, Bezahlkarte abschaffen, Sprachkurse für alle unabhängig vom Status, Berufsanerkennung binnen sechs Monaten | Zuwanderung als Notwendigkeit gegen Fachkräftemangel, Arbeitsverbote ablehnen, Abschlüsse schneller anerkennen; Abschiebungen bleiben „Ultima Ratio" | Arbeitsmigration erleichtern, Aufenthaltstitel binnen vier Wochen; zugleich Abschiebehaft ab Ende 2027, Fußfesseln als Alternative, Sprachkurse vorrangig für Selbstzahler | Teilhabe ab Tag eins, kommunale Ankommenszentren, Sprachkurse sofort — aber verpflichtend, Gesundheitskarte für Geflüchtete, Bezahlkarte abschaffen | Asylrecht bejaht, ungeregelte Migration stoppen, konsequente Abschiebung ohne Anspruch; verpflichtende Sprach- und Politikkurse, 30-Prozent-Quote in Kitas |
| Ländlicher Raum, Landwirtschaft & Mobilität |
A14 und A143 fertigstellen, Autobahnring um Magdeburg, ICE-Anschluss, Sachsen-Anhalt-Takt ausbauen, Deutschlandticket erhalten, Bodenmarktreserve von 20.000 ha | „Freie Fahrt für freie Bürger", A14/A143 beschleunigen, Verbandsklagerecht abschaffen, Deutschlandticket für alle Schüler, Agrarstrukturgesetz „Ackerland in Bauernhand" | ÖPNV als kommunale Pflichtaufgabe und mittelfristig zum Nulltarif, jede Gemeinde angebunden, Schienenreaktivierung, Agrarstrukturgesetz, 30 % Ökolandbau | Mobilitätsgarantie für alle Regionen, eigene Verkehrsgesellschaft mit der Bahn statt Ausschreibungen, 10 % der Straßenbaumittel für Rad und Fuß, Agrarbürokratie abbauen | Pünktlichkeit im Nahverkehr +20 %, Zugausfälle −30 %, 30-Minuten-Erreichbarkeit, Glasfaser für alle Haushalte, Agrar-Kontrolldichte von 5 auf 1 Prozent | Jedes Dorf mindestens stündlich per Bus, Deutschlandticket dauerhaft finanzieren, 15 Mio. €/Jahr für Radwege, Pestizidausstieg bis 2035, Erhalt vor Neubau | Deutschlandticket erhalten und verbilligen, kostenfreier ÖPNV für Schüler und Azubis, A14 zügig fertigstellen, Bahn rekommunalisieren, Glasfaser bis ins Haus |
| Soziales, Familie & Wohnen |
„Bürgerarbeit" als Pflicht zu gemeinnütziger Arbeit, Eigentumsförderung statt Mietpreisdeckel, Alleinerziehende entlasten, Ablehnung von Gendersprache | Baby-Begrüßungsgeld 2.000/4.000 €, Landes-Familiengeld 50/150/250 € monatlich (nur mit deutscher Staatsbürgerschaft eines Elternteils), Eigenheimkredit bis 300.000 € | Kindergrundsicherung 630 €, Mindestrente 1.400 €, Mietpreisbremse ermöglichen, Landeswohnungsbaugesellschaft, Paritégesetz | Kindergrundsicherung als Ziel, kostenfreies Mittagessen in Kita und Schule, Kita-Rechtsanspruch „nicht verhandelbar", sozialer Wohnungsbau, Paritätsgesetz | „Bürgerarbeit" für Langzeitarbeitslose mit Sanktionen, Grunderwerbsteuer-Freibetrag beim Ersterwerb, Altschuldenfonds für Wohnungsgenossenschaften, keine Quoten | Landesaktionsplan gegen Kinderarmut, Mietendeckel, Sanierung statt Neubau als Leitprinzip, Inklusion nach UN-BRK, Frauenhäuser ohne Eigenanteil | Mindestlohn 15 €, Mindestrente 1.500 €, bundesweiter Mietendeckel, mehr sozialer Wohnungsbau, Grundsteuerbefreiung für junge Familien |
| Verwaltung, Digitales & Finanzen |
Keine Steuererhöhungen, Schuldenbremse und keine höhere Landesverschuldung, tiefgreifende Verwaltungsreform, Genehmigungsfiktion, neues Finanzausgleichsgesetz ab 2027 | 10 % Ausgabenkürzung in jedem Ministerium, Landesverwaltungsamt auflösen, Genehmigungsfiktion, Doppik, Schuldenbremse „ohne Ausnahmen", keine neuen Abgaben | Vermögenssteuer über den Bundesrat, kommunaler Schuldenschnitt, Pauschalförderung statt Förderdschungel, Open Source statt US-Software, keine Digitalisierungs-Kündigungen | Ende-zu-Ende-Digitalisierung, Open Source statt außereuropäischer Software, Palantir abgelehnt, bedarfsgerechter Finanzausgleich, „Wer bestellt, bezahlt", Schuldenabbau | Alle Vorschriften über zehn Jahre laufen Ende 2027 aus, „Digital only", Bürokratieabbau per App messbar, keine neuen Schulden, echte Konnexität mit Spitzabrechnung | Zweistufige Landesverwaltung mit 18,7 Stellen je 1.000 Einwohner:innen, Open-Data-Haushalt, Altschuldenfonds, alle Behördengänge digital bis 2030, Schuldenbremse reformieren | Recht auf ein analoges Leben, landeseinheitliche Software und Formulare, Rekommunalisierung der Daseinsvorsorge, vollständige Entschuldung der Kommunen |
| Demokratie, Kultur & Zusammenhalt |
ARD und ZDF zusammenführen, Rundfunkbeitrag langfristig senken, Ehrenamts-Check bei jedem Gesetz, GEMA-Ländervertrag, Erinnerung an NS- und SED-Diktatur | Quoren für Volksentscheide senken, Briefwahl einschränken, Rundfunkstaatsverträge als „erste Amtshandlung" kündigen, Vereinsförderung nur mit „patriotischer Grundhaltung" | Aktives Wahlalter 14, niedrigere Quoren für Volksentscheide, Bürgerbeauftragte:r, progressiver Rundfunkbeitrag, 100-Mio.-Medienoffensive | Hürden für Volksentscheide senken, Bürgerräte einführen, Bürgerbudget von 20 € pro Kopf, Ehrenamtsgesetz, Vereinspauschalen verdoppeln, Wahlalter 16 | Wahlalter 16, Landesjugendparlament, Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ohne Beitragserhöhung, Pauschalförderung für Vereine, Kultur mit Bildung in einem Ministerium | Wahlrecht ab 14, niedrigere Quoren, Bürgerräte, MDR-Bestandsgarantie mit Gehaltsdeckel, mindestens 1,5 % des Landeshaushalts für Kultur | Rechtlich bindende Volksentscheide, Bürgerräte und Bürgerbudgets, Rundfunkbeitrag nicht erhöhen, NGO-Förderung transparent überprüfen, Friedenspolitik als Leitthema |
4. Die Parteien im Detail
Reihenfolge wie auf dem Stimmzettel: zuerst die Parteien nach der Zahl ihrer Zweitstimmen bei der Landtagswahl 2021, danach die übrigen Landeswahlvorschläge alphabetisch (§ 24 Abs. 3 Landeswahlgesetz). Das BSW trat 2021 noch nicht an und steht deshalb in der alphabetischen Gruppe. Angegeben sind Spitzenkandidat:in, Kernpositionen aus dem Wahlprogramm, die bisherige Bilanz beziehungsweise Rolle im Landtag sowie — wo relevant — ein Hinweis auf Forderungen, die nicht in Landeszuständigkeit liegen. Für jede Partei ist eine vertiefte Unterseite vorgesehen; AfD und Die Linke sind bereits verfügbar.
CDU
Kernpositionen (laut Regierungsprogramm, beschlossen 13.6.2026): Sachsen-Anhalt soll eine der „Top-5-Regionen für Ansiedlungen" in Europa und ein „Chemie- und Pharma-Hub für Europäische Souveränität" werden; der High-Tech-Park auf dem ehemaligen Intel-Gelände soll binnen fünf Jahren entwickelt werden. Für Unternehmen sind ein Belastungsmoratorium, One-in-one-out und fünf Jahre ohne neue Landesauflagen vorgesehen. Die „Migrationswende" soll fortgesetzt und die irreguläre Migration „auf null" reduziert werden, mit Abschiebungen nach Syrien, Afghanistan und in den Irak und einer Abschiebungssicherungseinrichtung ab 2027. Die Landespolizei soll auf weit mehr als 8.100 Bedienstete wachsen, mit flächendeckenden Tasern und landesweitem KI-gestütztem Videoschutz. In der Bildung sollen Sekundar- und Gemeinschaftsschule zur neuen „Oberschule" verschmelzen, mit einem verbindlichen Praxislerntag („4+1") und einem Sprachtest vor der Einschulung. Finanzpolitisch gilt: keine Steuererhöhungen, Einhaltung der Schuldenbremse, keine weitere Erhöhung der Landesverschuldung.
- Nach eigener Darstellung im Programm: über 4,2 Mrd. Euro Investitionen in die Landespolizei in fünf Jahren, über 100 Mio. Euro in Brand- und Katastrophenschutz, über 180 Mio. Euro in Sportstätten
- Einführung der Bezahlkarte für Geflüchtete mit 50-Euro-Bargeldobergrenze als eines der ersten Bundesländer; Schließung mehrerer Erstaufnahmestandorte
- Das Intel-Projekt, von der Landesregierung als Leuchtturm der Ansiedlungspolitik geführt, scheiterte im Juli 2025; das Programm erwähnt Intel an keiner Stelle namentlich
- Der Untersuchungsausschuss zum Magdeburger Anschlag stellte schwere Versäumnisse bei Sicherheitskonzept, Behördenaustausch und Bedrohungsmanagement fest; Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) blieb im Amt. Auch der Anschlag wird im Programm nicht erwähnt.
- Der Schuldenstand des Landes stieg von unter 21 Mrd. Euro (Ende 2020) auf voraussichtlich über 25 Mrd. Euro (Ende 2026)
- In Umfragen verlor die CDU die Zuschreibung von Wirtschaftskompetenz deutlich: von 40 Prozent (2021) auf 16 Prozent, während die AfD von 9 auf 36 Prozent zulegte (Infratest dimap, Juli 2026)
AfD
Kernpositionen (laut Regierungsprogramm „Das Land zuerst.", 253 Seiten, beschlossen 11.4.2026): Eine „migrationspolitische Kehrtwende um 180 Grad" mit Aufnahmestopp, Abschiebeoffensive (100 Mio. Euro angesetzt), mindestens 300 Abschiebehaftplätzen und einer Bundesratsinitiative zur Abschaffung des Grundrechts auf Asyl; eine „energiepolitische Kehrtwende um 180 Grad" mit Windkraftmoratorium, Streichung aller Subventionen für Erneuerbare, Kohleerhalt über 2038 hinaus, Wiedereinstieg in die Kernenergie und Reparatur der Nord-Stream-Pipelines; eine Familien- und Geburtenpolitik mit Baby-Begrüßungsgeld (2.000 bzw. 4.000 Euro) und Landes-Familiengeld (50/150/250 Euro monatlich), beides gekoppelt an die deutsche Staatsbürgerschaft mindestens eines Elternteils; ein Rückbau der Inklusion zugunsten von Förderschulen und Sonderklassen für Kinder von Geflüchteten; 10 Prozent Ausgabenkürzung in jedem Ministerium, Auflösung des Landesverwaltungsamts und Kündigung der Rundfunkstaatsverträge „als erste Amtshandlung".
- Seit 2016 im Landtag — bislang ausschließlich in der Opposition, ohne Regierungsbeteiligung oder Duldung
- Stärkste Kraft bei der Bundestagswahl 2025 in Sachsen-Anhalt mit 37,1 Prozent der Zweitstimmen
- Mitgliederzahl im Land von 2.580 (2024) auf rund 3.500 (2025) gestiegen, ein Plus von knapp 36 Prozent
- Das Programm enthält eine ungewöhnlich hohe Zahl von Forderungen, die Bundes- oder EU-Recht betreffen (Asyl-Grundrecht, Staatsangehörigkeitsrecht, Sanktionspolitik, Pariser Abkommen, Strafmündigkeit) und die ein Land nicht selbst entscheiden kann
Die Linke
Kernpositionen (laut Wahlprogramm „Wir sind der Pol der Hoffnung", beschlossen 14.3.2026): Eine Steuer- und Finanzwende mit einer Bundesratsinitiative für eine Vermögenssteuer von 1 Prozent auf Vermögen über einer Million Euro, aus der sich das Programm bis zu 2 Milliarden Euro jährlich für Sachsen-Anhalt erhofft; Gesundheit in öffentlicher Hand mit einem Rettungsschirm von 300 Millionen Euro, einem kommunalen Klinikverbund und der Abschaffung der Fallpauschalen; eine Bildungsoffensive mit beitragsfreier Kita, einem Zehn-Stunden-Rechtsanspruch und rund 1.200 Schulsozialarbeitsstellen; eine Sozialgarantie mit Kindergrundsicherung von 630 Euro, Mindestrente von 1.400 Euro und einem Vergabemindestlohn von 16,50 Euro; Klimaneutralität bis 2035 mit verbindlichem CO₂-Budget und ÖPNV mittelfristig zum Nulltarif. Migration wird ausdrücklich als demografische Überlebensfrage des Landes gerahmt.
- Regierungserfahrung in Sachsen-Anhalt: 1994–2002 als Tolerierungspartnerin der SPD-geführten Minderheitsregierung („Magdeburger Modell"), seither durchgehend in der Opposition
- Die Partei legt in Umfragen als einzige der bisherigen Oppositionsparteien neben der AfD zu (von 11,0 auf 12–14 Prozent) und liegt damit derzeit vor SPD, Grünen, BSW und FDP
- Das Programm setzt bewusst auf höhere Verschuldung: Kredite für Bildung, soziale Infrastruktur und Klimaschutz seien „sinnvoll", eine kurzfristig höhere Verschuldung werde langfristig kompensiert. Der Begriff „Schuldenbremse" kommt im Programm nicht vor.
- Ein erheblicher Teil der Kernforderungen (Vermögenssteuer, Rentenniveau, Kindergrundsicherung, Fallpauschalen, Asylrecht) liegt beim Bund; das Programm benennt das überwiegend selbst als Bundesratsinitiative
SPD
Kernpositionen (laut Wahlprogramm „Mit Herz, Haltung und Zuversicht"): Das Industrieland soll über bezahlbare Energie gesichert werden — mit einer weitgehenden Deckelung der Netzentgelte, einer Senkung der Stromsteuer und einer Task Force „Chemieindustrie in der Transformation". In der Bildung geht es um ein Programm zur Absicherung der Unterrichtsversorgung, ein Landesschulbauprogramm und mittelfristig ein Zwei-Säulen-System aus Gymnasium und Gemeinschaftsschule; die Schulsozialarbeit soll ab dem 1. August 2028 dauerhaft aus Landesmitteln finanziert werden. Krankenhäuser sollen sich an Qualität und Erreichbarkeit orientieren „und nicht an Kapitalinteressen", mit Landesunterstützung bei Rekommunalisierungen. Verkehrspolitisch fordert die SPD eine Mobilitätsgarantie für alle Regionen und eine eigene Landes-Verkehrsgesellschaft gemeinsam mit der Deutschen Bahn statt teurer Ausschreibungen. Für die Kommunen gilt „Wer bestellt, bezahlt" uneingeschränkt. Die SPD ist neben den Grünen die einzige Partei, die ein AfD-Verbotsverfahren über eine Bundesratsinitiative prüfen lassen will.
- Seit 2021 Juniorpartnerin in der Deutschlandkoalition; davor bereits 2016–2021 in der Kenia-Koalition mit CDU und Grünen. Die SPD trägt damit die Bilanz der Landesregierung mit — einschließlich Haushalt, Bezahlkarte und Verschuldung.
- Bei der Bundestagswahl 2025 fiel die SPD in Sachsen-Anhalt auf 11,0 Prozent (−14,4 Punkte). In den Landtagsumfragen liegt sie mit 5–7 Prozent direkt auf der Fünf-Prozent-Hürde — der Einzug ist offen.
- Das Programm ist mit 36 Seiten das kürzeste aller sieben und enthält kaum bezifferte Zusagen. Es nennt weder ein Klimaziel-Jahr noch Windkraft-Flächenziele; der Begriff „Schuldenbremse" kommt nicht vor.
- Die Gegenfinanzierung wird fast vollständig auf die Bundesebene verlagert: Vermögensteuer ab 100 Mio. Euro, Finanztransaktionssteuer, Streichung von Erbschaftsteuerprivilegien
FDP
Kernpositionen (laut Wahlprogramm „Freiheit hat nur eine Heimat.", beschlossen 25.4.2026): Zwei Sonderwirtschaftszonen — auf dem landeseigenen Intel-Gelände und am Chemiestandort Leuna — mit gebündelten Genehmigungen, festen Fristen, weitgehendem Wegfall von Berichtspflichten und vollständigem oder weitgehendem Steuererlass. Ein Wiedereinstieg in die Kernenergie inklusive Neubauprogramm für Small Modular Reactors, dazu ein „wissenschaftsbasiertes Genehmigungsregime" statt des Fracking-Verbots. Messbarer Bürokratieabbau: One-in-two-out, und alle untergesetzlichen Regelungen, die älter als zehn Jahre sind, treten Ende 2027 automatisch außer Kraft; das Tariftreue- und Vergabegesetz soll abgeschafft werden. Haushaltskonsolidierung ohne neue Schulden und ohne Steuererhöhungen. In der Bildung: Festhalten am differenzierten Schulsystem samt Förderschulen, ein landeseinheitlicher Schülerkostensatz und eine 1,5-jährige Pflichtqualifizierung für Seiteneinsteiger.
- Seit 2021 Regierungspartei in der Deutschlandkoalition mit einem eigenen Ministerium (Infrastruktur und Digitales). Das Programm verweist an mehreren Stellen auf eigene Regierungsergebnisse — etwa den Stellenaufwuchs bei der Polizei auf 7.000 Stellen und die Novellierung des Vergabegesetzes im Herbst 2025.
- Mit 2–4 Prozent in Umfragen liegt die FDP derzeit unter der Fünf-Prozent-Hürde; Infratest dimap weist sie nicht einmal separat aus. Ohne Grundmandatsklausel bedeutet das den Wiederausschluss aus dem Landtag.
- Migration ist im Programm nicht als eigenes Kapitel geführt, sondern im Wirtschaftskapitel verortet
- Das Programm enthält keine bezifferten Kostenschätzungen für die eigenen Vorhaben; die Konsolidierung soll allein über Wachstum, Ausgabendisziplin und Verwaltungsrückbau gelingen. Steuersenkungen (Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, Einkommensteuer, steuerfreie Überstunden) werden ohne Angabe der Mindereinnahmen gefordert.
- Weder Klimaziele noch der Magdeburger Anschlag noch Kinderarmut werden im Programm behandelt
Bündnis 90/Die Grünen
Kernpositionen (laut Wahlprogramm „Nur mit Grün wird Zukunft draus.", beschlossen 9.5.2026 in Lutherstadt Wittenberg): Ein klimaneutrales Sachsen-Anhalt bis 2035, 100 Prozent erneuerbarer Strom bis 2030 und Klimaschutz als Staatsziel in Artikel 35 der Landesverfassung; der gesetzliche Kohleausstieg soll spätestens zum 31. Dezember 2034 erfolgen. Bildungspolitisch die weitreichendste Strukturreform aller Parteien: Sekundarschulen abschaffen, Gemeinschaftsschulen mit eigener gymnasialer Oberstufe, gemeinsame Grundschulzeit bis Klasse 6, Rückkehr zu G9 und Abschaffung der Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen. Verkehrspolitisch die Zusage, jedes Dorf mindestens einmal pro Stunde per Bus zu erreichen, plus 15 Millionen Euro jährlich für Radwege. Kommunen sollen über eine Reform der Kommunalfinanzierung mit Flächenfaktor und einen Altschuldenfonds gestärkt werden. Wie die SPD fordern die Grünen ein AfD-Verbotsverfahren über den Bundesrat.
- Regierungserfahrung 2016–2021 in der Kenia-Koalition mit CDU und SPD; seit 2021 in der Opposition
- Mit 4–5 Prozent in Umfragen ist der Wiedereinzug offen. Da Sachsen-Anhalt keine Grundmandatsklausel kennt und die Grünen 2021 kein Direktmandat gewannen, gibt es keinen zweiten Weg in den Landtag.
- Das Programm ist stark umweltpolitisch gewichtet: Kapitel 1 (Natur, Tier, Umwelt) umfasst rund 29 der 92 Textseiten, Wirtschaft und Finanzen zusammen rund 10.
- Es enthält im gesamten Text nur vier bezifferte Euro-Beträge und keine Gesamtfinanzierungsrechnung; die Grünen wollen die Schuldenbremse „verantwortungsvoll reformieren"
- Intel und der Magdeburger Anschlag kommen im Programm nicht vor
BSW
Kernpositionen (laut Wahlprogramm „Sachsen-Anhalt bleibt anders.", beschlossen 7.3.2026): Das Programm beginnt mit einem Kapitel zur Friedens- und Außenpolitik: Absage an Aufrüstung und „Kriegskredite", keine Wehrpflicht, keine Bundeswehrwerbung an Schulen, keine Ausweitung von Truppenübungsplätzen. Finanzpolitisch soll die Schuldenbremse abgeschafft und aktiv investiert werden, bei vollständiger Entschuldung der Kommunen. Energiepolitisch wird ein „breiter, technologieoffener Energiemix mit gesicherter Leistung" gefordert, der ausdrücklich Braunkohle einschließt, dazu Verhandlungen mit Russland über Gaslieferungen und die Nutzung der Nord-Stream-Pipeline; CO₂-Abgabe und EEG sollen abgeschafft werden. In der Daseinsvorsorge: keine Krankenhausschließungen, Rückführung unrentabler Kliniken in öffentliche Hand, beitragsfreie Kitas, längeres gemeinsames Lernen. Demokratiepolitisch sollen Volksentscheide rechtlich bindend werden. Beim Thema Migration bekennt sich das Programm „uneingeschränkt zum Asylrecht" und fordert zugleich, ungeregelte Migration „umgehend zu stoppen".
- Sehr junge Partei (Gründung Januar 2024), bislang nicht im Landtag von Sachsen-Anhalt vertreten und ohne Landes-Regierungsbilanz. Auf Bundesebene erreichte das BSW in Sachsen-Anhalt bei der Bundestagswahl 2025 11,2 Prozent — in den Landtagsumfragen liegt es nun bei 4–5 Prozent.
- Das BSW fordert als einzige Partei einen überparteilichen Ministerpräsidenten und legt sich nicht auf ein Lager fest. SPD und Grüne schließen eine Koalition mit dem BSW ausdrücklich aus.
- Ein großer Teil der zentralen Forderungen — Schuldenbremse, Mindestlohn, Rente, CO₂-Preis, Russland-Gas, Gaza-Politik — liegt bei Bund oder EU. Das Programm räumt das an einer Stelle selbst ein.
- Das Programm enthält Passagen zur Verteilung von Kindern mit ausländischer Staatsangehörigkeit auf Kitas (Quote von höchstens 30 Prozent) und zur Belegung von Wohnungen mit Zuwanderern, die rechtlich umstritten sind — sie werden auf der vertieften Vergleichsseite im Wortlaut dokumentiert.
5. Findungshilfe: Welche Partei passt zu mir?
Dieser Abschnitt ist keine automatische „Ergebnis-Maschine". Er soll helfen, die eigene Entscheidung strukturiert vorzubereiten. Eine Partei „passt", wenn ihre Prioritäten und ihr bisheriges Handeln zu den eigenen Werten passen — das lässt sich nicht seriös auf einen einzigen Score reduzieren.
Eigene Prioritäten klären
Ziel: Wissen, welche der zehn Themen aus Abschnitt 2 dir am wichtigsten sind.
Bring die zehn Themen in eine persönliche Rangfolge. Frag dich bei jedem: Betrifft es mich direkt — als Pendler:in, Elternteil, Pflegende:r, Selbstständige:r, Landwirt:in, Mieter:in? Wie dringend finde ich Veränderung hier? In einem Flächenland lohnt zusätzlich die Frage, ob ein Thema für die Stadt oder für das Dorf gedacht ist: Ein „Ausbau des ÖPNV" bedeutet in Halle etwas anderes als in der Altmark.
Positionen gezielt abgleichen
Ziel: Sehen, welche Partei bei deinen wichtigsten Themen ähnlich denkt wie du.
Nutze die Vergleichstabelle in Abschnitt 3 für deine zwei bis drei wichtigsten Themen, statt alle 70 Zellen zu lesen. Prüfe dabei nicht nur, ob eine Partei ein Thema anspricht, sondern wie — ob eine Lösung über Regulierung, über mehr Angebot und Wettbewerb, über öffentliches Eigentum oder über Abbau bestehender Regeln gedacht wird. Auf der vertieften Vergleichsseite steht zu jedem Thema und jeder Partei die ausführliche Fassung mit Zahlen und Originalzitaten.
Bilanz statt nur Versprechen prüfen
Ziel: Unterscheiden zwischen dem, was eine Partei ankündigt, und dem, was sie bereits mitverantwortet hat.
Programme sind Absichtserklärungen. Drei der sieben Parteien regieren seit 2021 gemeinsam (CDU, SPD, FDP) und tragen die Bilanz dieser Legislatur gemeinsam — von der Haushaltslage über die Bezahlkarte bis zu den im Untersuchungsausschuss festgestellten Sicherheitsversäumnissen. Die Grünen regierten 2016 bis 2021 mit, die Linke tolerierte 1994 bis 2002 eine Minderheitsregierung. AfD und BSW haben in Sachsen-Anhalt keine Regierungsbilanz — bei ihnen lässt sich stattdessen die Oppositions- und Wahlkampfpraxis heranziehen, beim BSW zusätzlich die Erfahrung aus Thüringen und Brandenburg.
Den Landeskompetenz-Test machen
Ziel: Erkennen, welche Versprechen ein Landtag überhaupt einlösen kann.
Dies ist bei einer Landtagswahl die vielleicht unterschätzteste Frage. Ein erheblicher Teil dessen, was in allen sieben Programmen steht, kann ein Bundesland gar nicht selbst entscheiden: Rente, Mindestlohn, Steuersätze, Asyl- und Staatsangehörigkeitsrecht, Strafrecht, Krankenkassenrecht, Außen- und Sanktionspolitik sind Bundes- oder EU-Sache. Das gilt quer durch das Parteienspektrum — von der Vermögenssteuer über die Abschaffung des Asyl-Grundrechts bis zur Kernenergie und zum bundesweiten Mietendeckel. Prüfe bei deinem wichtigsten Anliegen also zusätzlich: Kann Magdeburg das? Oder steht da eigentlich eine Bundesratsinitiative, die eine Mehrheit der 16 Länder finden müsste? Auf den vertieften Parteiseiten ist das je Partei aufgeschlüsselt.
Fragen, wer es bezahlt
Ziel: Programme nicht nur nach Wünschen, sondern nach ihrer Finanzierungslogik unterscheiden.
Keines der sieben Programme enthält eine vollständige Gesamtkostenrechnung — das ist bei Wahlprogrammen üblich, macht die Frage aber nicht kleiner, angesichts von über 25 Milliarden Euro Landesschulden. Die Logiken unterscheiden sich deutlich: CDU und FDP wollen ohne neue Schulden und ohne Steuererhöhungen auskommen und setzen auf Wachstum plus Ausgabendisziplin. Die AfD will umschichten („Geld ist genug da, es wird nur an falscher Stelle ausgegeben") und benennt konkrete Streichposten. Linke und BSW wollen mehr Einnahmen durch Umverteilung und nehmen höhere Verschuldung bewusst in Kauf; das BSW fordert die Abschaffung der Schuldenbremse. Die Grünen wollen sie „verantwortungsvoll reformieren". Die SPD nennt den Begriff gar nicht und verlagert die Gegenfinanzierung fast vollständig auf den Bund. Welche dieser Logiken man für tragfähig hält, ist eine echte Wertentscheidung.
Auch die Leerstellen lesen
Ziel: Bemerken, worüber ein Programm nicht spricht.
Was fehlt, sagt oft ebenso viel wie das, was drinsteht. Auffällig bei dieser Wahl: Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt kommt in sechs von sieben Programmen nicht vor — nur die AfD behandelt ihn ausführlich. Intel wird von CDU, SPD, Grünen und Linken nicht namentlich erwähnt; AfD, BSW und FDP beziehen sich darauf. Kinderarmut fehlt bei AfD und FDP ganz und wird bei CDU und BSW nur in einem Halbsatz gestreift. Hebammen kommen bei AfD, CDU und FDP nicht vor. Ein Klimaziel-Jahr nennen nur Grüne (2035) und Linke (2035) — CDU, SPD, FDP, BSW und AfD legen sich nicht fest.
Die Koalitionsfrage mitdenken
Ziel: Verstehen, dass die Zweitstimme selten direkt in „eine Partei regiert" mündet.
Bei dieser Wahl ist das besonders relevant, weil an der Fünf-Prozent-Hürde vier Parteien zittern und jede verpasste Hürde die Sitzverteilung für alle anderen verschiebt. Wer eine bestimmte Koalition bevorzugt oder ausschließen will, sollte Abschnitt 6 lesen, bevor er oder sie entscheidet.
Ergänzend: der offizielle Wahl-O-Mat
Ziel: Die eigene Einschätzung mit einem unabhängigen, strukturierten Tool gegenprüfen.
Die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht zur Landtagswahl den offiziellen Wahl-O-Mat Sachsen-Anhalt 2026: Thesen, zu denen alle antretenden Parteien selbst Stellung nehmen, mit direktem Abgleich zur eigenen Position. Dieser Wahlweiser ist als Vorbereitung darauf gedacht, nicht als Ersatz. Der Wahl-O-Mat gibt die Selbstauskunft der Parteien wieder — dieser Wahlweiser die Auswertung ihrer Programme und der überprüfbaren Fakten.
Entscheiden
Die Wahl ist geheim, es gibt keine „richtige" Antwort — nur eine, die zu den eigenen Werten und Prioritäten passt. Es ist normal, wenn keine Partei zu hundert Prozent passt: In der Praxis geht es meist darum, welche Partei die eigenen wichtigsten zwei bis drei Anliegen am ehesten glaubwürdig vertritt — und wem man zutraut, sie auch umzusetzen.
6. Die Koalitionsfrage
Der Landtag wählt die Ministerpräsidentin oder den Ministerpräsidenten — nicht die Wählerschaft direkt. Wer am Ende regiert, hängt deshalb nicht nur davon ab, wer die meisten Stimmen bekommt, sondern auch davon, wer mit wem kann und will.
Was die Parteien vor der Wahl gesagt haben
| Partei | Aussage zur Zusammenarbeit (Stand Ende Juli 2026) |
|---|---|
| CDU | Schließt Koalitionen sowohl mit der AfD als auch mit der Linken aus. Sven Schulze erklärte zudem, sich nicht mit Stimmen von AfD oder Linken zum Ministerpräsidenten wählen lassen zu wollen. |
| AfD | Strebt eine Alleinregierung an und lehnt Koalitionen mit allen anderen Parteien ab. Ulrich Siegmund: „Wir möchten die erste AfD-geführte Alleinregierung hier in Sachsen-Anhalt möglich machen." |
| SPD | Koalition mit allen außer AfD und BSW. |
| Grüne | Koalition mit allen außer AfD und BSW. |
| FDP | Schließt Bündnisse mit „extremen Positionen" ganz rechts wie ganz links aus. |
| BSW | Fordert einen überparteilichen Ministerpräsidenten und legt sich nicht auf ein Lager fest. |
| Die Linke | Keine ausdrückliche Ausschlussaussage in den ausgewerteten Quellen gefunden. Von CDU und FDP wird eine Zusammenarbeit mit ihr ausgeschlossen. |
Warum die Fünf-Prozent-Hürde diesmal so viel entscheidet
Die Sitze der Parteien, die an der Hürde scheitern, verschwinden nicht — sie werden auf die Parteien verteilt, die drinnen sind. Wenn nach aktuellen Umfragen SPD, Grüne, BSW und FDP zusammen rund 15 bis 20 Prozent auf sich vereinen und mehrere davon knapp scheitern, wächst der Sitzanteil der verbleibenden Parteien überproportional. Bei einer AfD, die in Umfragen bei über 40 Prozent liegt, kann das den Unterschied zwischen einer Sperrminorität, einer relativen Mehrheit und einer absoluten Mehrheit der Sitze ausmachen.
Konkret heißt das: Ob eine Regierung ohne die AfD überhaupt rechnerisch möglich ist, hängt maßgeblich davon ab, wie viele der vier kleinen Parteien den Einzug schaffen. Das ist keine Wahlempfehlung in irgendeine Richtung — es ist die Arithmetik, die bei dieser Wahl im Hintergrund steht und die man kennen sollte, bevor man entscheidet.
Was ein Landtag jenseits der Regierung entscheidet
Auch ohne Regierungsbeteiligung hat die Sitzverteilung Folgen. Erreicht eine Fraktion mehr als ein Drittel der Sitze, kann sie alle Entscheidungen blockieren, die eine Zweidrittelmehrheit brauchen — in Sachsen-Anhalt unter anderem Verfassungsänderungen und die Wahl der Richterinnen und Richter des Landesverfassungsgerichts. Und der Landtag entscheidet, unabhängig von der Regierungsbildung, über den Landeshaushalt, über Untersuchungsausschüsse und über die Besetzung wichtiger Gremien.
Quellen
Die sieben ausgewerteten Wahlprogramme (Primärquellen)
- AfD Sachsen-Anhalt — „Das Land zuerst." Regierungsprogramm zur Landtagswahl 2026, beschlossen auf dem Landesparteitag am 11.4.2026 in Magdeburg, 253 Seiten
- CDU Sachsen-Anhalt — Regierungsprogramm zur Landtagswahl am 6. September 2026, beschlossen auf dem 34. Landesparteitag am 13.6.2026 in Dessau-Roßlau
- DIE LINKE Sachsen-Anhalt — „Wir sind der Pol der Hoffnung", Beschluss der 2. Tagung des 10. Landesparteitags am 14.3.2026
- SPD Sachsen-Anhalt — „Mit Herz, Haltung und Zuversicht. Für unsere Heimat in Sachsen-Anhalt."
- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt — „Nur mit Grün wird Zukunft draus.", beschlossen auf dem Landesparteitag am 9.5.2026 in Lutherstadt Wittenberg
- BSW Sachsen-Anhalt — „Sachsen-Anhalt bleibt anders.", beschlossen am 7.3.2026
- FDP Sachsen-Anhalt — „Freiheit hat nur eine Heimat.", beschlossen auf dem 36. Ordentlichen Landesparteitag am 25.4.2026 in Magdeburg (Fassung vom 5.6.2026)
Wahlrecht, Ergebnisse und Umfragen
- Landeswahlleiterin Sachsen-Anhalt — Wahlsystem
- Landeswahlleiterin — FAQ zur Landtagswahl 2026
- wahlrecht.de — Wahlsystem Sachsen-Anhalt (u. a. zur fehlenden Grundmandatsklausel)
- Landtag Sachsen-Anhalt — amtliches Endergebnis der Landtagswahl 2021
- wahlrecht.de — Umfragen Sachsen-Anhalt (alle Institute)
- dawum.de — Umfrage-Aggregator Sachsen-Anhalt
- Infratest dimap — SachsenAnhaltTREND Juli 2026
- bpb — Wer steht zur Wahl? Sachsen-Anhalt 2026 (Parteienporträts)
- Volksstimme — die 15 zugelassenen Landeslisten (Beschluss vom 24.7.2026)
- Bundeswahlleiterin — Ergebnis der Bundestagswahl 2025 in Sachsen-Anhalt
Regierung, Kandidat:innen und Koalitionsaussagen
- Landtag Sachsen-Anhalt — Sven Schulze zum Ministerpräsidenten gewählt (28.1.2026)
- Staatskanzlei Sachsen-Anhalt — Pressemitteilung zur Amtsübergabe
- ZDFheute — die Spitzenkandidat:innen im Porträt
- t-online — Übersicht der Spitzenkandidat:innen
- dpa/onvista — Koalitionsaussagen von CDU und AfD (28.7.2026)
- Tagesspiegel — Ulrich Siegmund zu Verfassungsschutz und Regierungsanspruch
Magdeburger Anschlag, Intel, Haushalt
- ZDFheute — Urteil im Anschlagsprozess (26.6.2026)
- ZDFheute — Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses (19.5.2026)
- Landtag Sachsen-Anhalt — Einsetzung des Untersuchungsausschusses
- Table.Briefings — endgültiges Aus für die Intel-Chipfabrik (Juli 2025)
- sao.de — Rückkauf des Intel-Areals durch das Land (Mai 2026)
- Landtag Sachsen-Anhalt — Doppelhaushalt 2025/2026
- Bund der Steuerzahler — Schuldenstand Sachsen-Anhalt (Prognose Februar 2025)
Verfassungsschutz
- Staatskanzlei Sachsen-Anhalt — Verfassungsschutzbericht 2025 (vorgestellt 2.6.2026)
- taz — Einstufung der AfD Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch (Oktober 2023)
- Table.Briefings — Entscheidungen des VG Magdeburg zur AfD Sachsen-Anhalt
- VG Köln — Pressemitteilung zum Eilbeschluss zur Bundes-AfD (26.2.2026)
- correctiv.org — Verfassungsschutz-Einstufungen der AfD nach Bundesländern (17.6.2026)
Kennzahlen
- Statistisches Landesamt — Bevölkerungsstand (2.120.252 Einwohner:innen, 31.12.2025)
- Statistisches Landesamt — verfügbares Einkommen je Einwohner:in 2024
- Bundesagentur für Arbeit — Arbeitslosenquote Juni 2026 (7,9 %)
- vdek — Krankenhaus-Strukturdaten Sachsen-Anhalt (44 Häuser an 53 Standorten)
- Bildungsministerium Sachsen-Anhalt — Schuljahresbeginn 2025/26 (Unterrichtsversorgung 93,6 %)
- Demografie-Portal des Bundes und der Länder — Bevölkerungsentwicklung Sachsen-Anhalt