Wegweiser zur Bundestagswahl 2025
Was die sieben Parteien in ihren Wahlprogrammen versprochen haben — und was daraus geworden ist
Wahltag: Sonntag, 23. Februar 2025 Stand: 21. August 20260. Die Wahl im Überblick
Die Bundestagswahl am 23. Februar 2025 war eine vorgezogene Wahl. Am 6. November 2024 zerbrach die Koalition aus SPD, Grünen und FDP mit der Entlassung von Finanzminister Christian Lindner. Bundeskanzler Olaf Scholz stellte am 16. Dezember 2024 die Vertrauensfrage und verlor sie erwartungsgemäß mit 394 Nein- zu 207 Ja-Stimmen; Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier löste den Bundestag am 27. Dezember 2024 auf und setzte die Neuwahl auf den 23. Februar an.
Warum diese Wahl anders lief als erwartet: Die Wahlbeteiligung stieg auf 82,5 Prozent — den höchsten Wert seit 1990. Die Union gewann, die AfD verdoppelte ihr Ergebnis nahezu, die SPD fuhr ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis seit 1887 ein. Entscheidend für die Regierungsbildung war jedoch etwas anderes: BSW und FDP scheiterten beide an der Fünf-Prozent-Hürde — das BSW mit 4,981 Prozent, rund 9.500 Stimmen zu wenig. Erst dadurch reichte es rechnerisch für eine Zweierkoalition aus Union und SPD. Wären beide eingezogen, hätte es diese Mehrheit nicht gegeben.
Das amtliche Endergebnis
| Partei | Zweitstimmen | Sitze | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| CDU/CSU | 28,6 % | 208 | 208 Sitze · CDU 22,6 % / CSU 6,0 % |
| AfD | 20,8 % | 152 | 152 Sitze · zweitstärkste Kraft, Verdopplung |
| SPD | 16,4 % | 120 | 120 Sitze · schlechtestes Ergebnis seit 1887 |
| Grüne | 11,6 % | 85 | 85 Sitze |
| Die Linke | 8,8 % | 64 | 64 Sitze · stärkster Zugewinn |
| BSW | 4,98 % | 0 | 0 Sitze · 9.529 Stimmen unter der Hürde |
| FDP | 4,33 % | 0 | 0 Sitze · nicht mehr im Bundestag |
| SSW | 0,2 % | 1 | Von der Sperrklausel befreit (Partei einer nationalen Minderheit) |
Was beim Wahlrecht neu war
2025 galt erstmals das Bundeswahlgesetz von 2023. Die drei wichtigsten Änderungen:
- Feste Sitzzahl 630. Überhang- und Ausgleichsmandate entfallen ersatzlos. 2021 war der Bundestag dadurch auf 735 Sitze angewachsen.
- Zweitstimmendeckung. Wer seinen Wahlkreis gewinnt, zieht nur ein, wenn das Zweitstimmenergebnis der Partei im jeweiligen Bundesland den Sitz „deckt“. Andernfalls bleibt der Wahlkreis unbesetzt.
- Grundmandatsklausel. Der Gesetzgeber hatte sie gestrichen; das Bundesverfassungsgericht erklärte die Sperrklausel in dieser Form am 30. Juli 2024 für verfassungswidrig und ordnete an, dass sie bis zu einer Neuregelung faktisch fortgilt: Parteien unter fünf Prozent sind nur dann ausgeschlossen, wenn sie weniger als drei Wahlkreise direkt gewonnen haben. Für BSW und FDP war das ohne Bedeutung — beide gewannen keinen einzigen Wahlkreis.
1. Fachwörter-Glossar
Wer Wahlprogramme vergleicht, stößt schnell auf Begriffe, die viel voraussetzen. Diese fünfzehn kommen auf dieser Seite immer wieder vor.
- Erststimme und Zweitstimme
- Mit der Erststimme wird eine Person im Wahlkreis gewählt, mit der Zweitstimme eine Landesliste. Über die Stärke einer Partei im Bundestag entscheidet ausschließlich die Zweitstimme.
- Zweitstimmendeckung
- Seit 2025 zieht ein Wahlkreissieger nur ein, wenn seine Partei im jeweiligen Bundesland genug Zweitstimmen geholt hat, um den Sitz zu „decken“. Sonst bleibt der Wahlkreis unbesetzt. Das ist der Mechanismus, der den Bundestag auf 630 Sitze begrenzt.
- Fünf-Prozent-Hürde und Grundmandatsklausel
- Nur Parteien mit mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen ziehen ein. Ausnahme: Wer mindestens drei Wahlkreise direkt gewinnt, wird trotzdem nach Zweitstimmenanteil berücksichtigt. Parteien nationaler Minderheiten wie der SSW sind ganz befreit.
- Sainte-Laguë/Schepers
- Das Rechenverfahren, mit dem Zweitstimmen in Sitze umgerechnet werden. Es behandelt große und kleine Parteien im Vergleich zu älteren Verfahren gleichmäßiger.
- Vertrauensfrage
- Nach Artikel 68 Grundgesetz kann der Kanzler den Bundestag fragen, ob er ihm noch das Vertrauen ausspricht. Verliert er, kann der Bundespräsident das Parlament auflösen. Das ist der übliche Weg zu einer vorgezogenen Neuwahl — 2024 der sechste Fall in der Geschichte der Bundesrepublik.
- Kanzlermehrheit
- Die absolute Mehrheit der Mitglieder des Bundestags, also 316 von 630 Stimmen. Friedrich Merz verfehlte sie am 6. Mai 2025 im ersten Wahlgang mit 310 Stimmen — der erste solche Fall überhaupt — und wurde erst im zweiten Wahlgang mit 325 Stimmen gewählt.
- Schuldenbremse
- Die 2009 ins Grundgesetz aufgenommene Regel, die die Nettokreditaufnahme des Bundes auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts begrenzt. Sie zu ändern erfordert eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat. Die Haltung dazu trennt die sieben Programme deutlicher als fast jede andere Frage.
- Sondervermögen
- Ein vom regulären Haushalt getrennter Topf, der über eine eigene Grundgesetzregelung von der Schuldenbremse ausgenommen werden kann. Im März 2025 beschloss noch der alte Bundestag ein solches Sondervermögen für Infrastruktur über 500 Milliarden Euro.
- Bundeskompetenz und Länderkompetenz
- Nicht alles, was in einem Bundestagswahlprogramm steht, kann der Bund auch entscheiden. Bildung, Polizei und Krankenhausplanung liegen bei den Ländern, Handels- und Sanktionspolitik bei der EU. Deshalb steht in dieser Auswertung bei entsprechenden Vorhaben ein Sachhinweis — bei allen Parteien nach demselben Maßstab.
- GEAS
- Das Gemeinsame Europäische Asylsystem. Die 2024 beschlossene Reform musste bis Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden und verändert Asylverfahren, Grenzverfahren und Zuständigkeiten grundlegend.
- Bürgerversicherung
- Ein Modell, in dem gesetzliche und private Krankenversicherung zusammengeführt oder finanziell verbunden werden. Vier der sieben Parteien fordern sie, zwei bekennen sich ausdrücklich zum bestehenden dualen System, eine äußert sich nicht.
- Rentenniveau
- Das Verhältnis einer Standardrente nach 45 Beitragsjahren zum Durchschnittseinkommen. Es sagt nichts über die absolute Rentenhöhe aus, sondern darüber, wie stark Renten mit den Löhnen mitwachsen.
- CO2-Preis und Emissionshandel
- Seit 2021 kostet der Ausstoß von Kohlendioxid in Verkehr und Gebäuden Geld. 2026 ging das System in die Versteigerungsphase mit einem gesetzlichen Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Das „Klimageld“ wäre die Rückverteilung dieser Einnahmen an die Bevölkerung gewesen.
- Vorratsdatenspeicherung
- Die anlasslose Speicherung von Verbindungs- oder IP-Daten auf Vorrat. Zwei frühere deutsche Regelungen wurden vom Bundesverfassungsgericht gekippt, eine vom Europäischen Gerichtshof beanstandet.
- Verdachtsfall und gesichert extremistisch
- Zwei Stufen der Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Sie sind kein Parteiverbot: Über ein Verbot entscheidet allein das Bundesverfassungsgericht, und antragsberechtigt sind nur Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung.
2. Die zehn Themen dieser Wahl
Die Themenauswahl ist eine redaktionelle Entscheidung — ein anderer Zuschnitt hätte ein anderes Bild ergeben. Gewählt wurden die zehn Felder, an denen sich der Wahlkampf 2025 tatsächlich entschied und in denen sich die Programme am deutlichsten unterscheiden. Jeder Kasten führt in den ausführlichen Vergleich mit Zitaten und Seitenangaben.
💼 Wirtschaft, Steuern & Bürokratie
Die Bundestagswahl 2025 fiel in das dritte Jahr ohne Wirtschaftswachstum, und alle sieben Programme beginnen ihre Wirtschaftskapitel mit derselben Diagnose: hohe Energiekosten, hohe Steuerlast, zu viel Bürokratie. Die Antworten laufen weit auseinander – von tariflichen Entlastungen für Unternehmen über Investitionsprämien und kreditfinanzierte Fonds bis zu höheren Steuern auf große Vermögen. Die schärfste Trennlinie ist die Frage, ob der Investitionsstau über die Einnahmen- oder über die Schuldenseite geschlossen wird: Drei Parteien wollen die grundgesetzliche Schuldenbremse unverändert lassen, vier wollen sie reformieren oder abschaffen.
Zum ausführlichen Vergleich⚡ Energie, Klima & Mobilität
Nach Energiekrise, Heizungsgesetz-Streit und schwacher Konjunktur war Energie- und Klimapolitik 2025 eines der am stärksten umkämpften Felder. Gestritten wurde weniger über den Befund als über Tempo, Instrumente und Kosten: Wie schnell soll Deutschland klimaneutral werden, wer trägt die CO2-Kosten, und welche Technologien bleiben erlaubt? Die Programme unterscheiden sich schon in der Grundfrage, ob es überhaupt ein nationales Zieljahr geben soll – und reichen von einem vorgezogenen Ausstiegspfad bis zum Austritt aus dem Pariser Abkommen.
Zum ausführlichen Vergleich🌍 Migration & Asyl
Migration und Asyl war eines der bestimmenden Themen des Wahlkampfs 2025 – zugespitzt durch Anschläge in Mannheim, Solingen, Magdeburg und Aschaffenburg, durch den Streit über Zurückweisungen an den Binnengrenzen und durch den Sturz des Assad-Regimes in Syrien. Alle sieben Programme äußern sich ausführlich dazu, gehen aber von unterschiedlichen Ausgangsdiagnosen aus: Die einen sehen ein Vollzugs- und Begrenzungsproblem, die anderen ein Schutz- und Integrationsproblem. Konkret scheiden sich die Parteien an vier Punkten: Zurückweisungen an der Grenze, Asylverfahren in Drittstaaten, Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan sowie das 2024 reformierte Staatsangehörigkeitsrecht.
Zum ausführlichen Vergleich👮 Innere Sicherheit & Justiz
Nach den Anschlägen von Mannheim, Solingen, Magdeburg und Aschaffenburg war die innere Sicherheit eines der bestimmenden Themen des Wahlkampfs 2025. Einig sind sich alle sieben Parteien darin, dass Polizei und Justiz mehr Personal und bessere Ausstattung brauchen. Auseinander gehen sie bei der Frage, wie weit staatliche Überwachungsbefugnisse reichen dürfen – von automatisierter Gesichtserkennung und gespeicherten IP-Adressen bis zur Vorratsdatenspeicherung – und beim Umgang mit Strafrecht, Strafmündigkeit, Waffenrecht, Verfassungsschutz und Cannabis.
Zum ausführlichen Vergleich🛡️ Verteidigung, Außen- & Europapolitik
Drei Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und kurz nach der erneuten Wahl Donald Trumps war Sicherheitspolitik erstmals seit Jahrzehnten ein zentrales Bundestagswahlkampfthema. Die Programme unterscheiden sich vor allem an drei Punkten: ob Deutschland die Ukraine weiter militärisch unterstützt, ob die Wehrpflicht zurückkehrt und wie viel vom Bruttoinlandsprodukt in Verteidigung fließen soll. Hinzu kommen Streitfragen zu Russland-Sanktionen und Nord Stream, zu US-Mittelstreckenwaffen und nuklearer Teilhabe sowie zur Frage, ob die EU vertieft, umgebaut oder auf einen Staatenbund zurückgeführt werden soll.
Zum ausführlichen Vergleich🤝 Soziales, Rente & Arbeit
Die vorgezogene Bundestagswahl 2025 fiel in eine Phase, in der die Stabilisierung des Rentenniveaus nach geltendem Recht zum 1. Juli 2025 auslief, der gesetzliche Mindestlohn nach zwei Erhöhungen um je 41 Cent bei 12,82 Euro lag und die Kindergrundsicherung im Bundestag gescheitert war. Entsprechend unterschiedlich fallen die Programme aus: Sie reichen von der Abschaffung des Bürgergeldes und einer stärker sanktionierenden Grundsicherung bis zu einer sanktionsfreien Mindestsicherung, von Kapitaldeckung in der gesetzlichen Rente bis zu deren ausdrücklicher Ablehnung. Die drei Punkte, an denen sich die Lager am klarsten trennen, sind das Rentenniveau, die Höhe des Mindestlohns und das Renteneintrittsalter.
Zum ausführlichen Vergleich🏥 Gesundheit & Pflege
Steigende Zusatzbeiträge, geschlossene Geburts- und Notfallstationen, monatelange Wartezeiten auf Facharzt- und Therapietermine und hohe Eigenanteile im Pflegeheim machten Gesundheit und Pflege 2025 zu einem Alltagsthema. Die Programme teilen viele Diagnosen – Personalmangel, Lieferengpässe, Bürokratie –, trennen sich aber bei der Frage, wer künftig einzahlt: Vier Parteien fordern eine Bürgerversicherung, zwei bekennen sich ausdrücklich zum Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Die zweite Bruchlinie ist die Krankenhausreform: fortführen, korrigieren oder zurücknehmen. Hinzu kommt die Pflegefinanzierung, wo die Vorschläge von privater Zusatzvorsorge bis zur steuerfinanzierten Vollversicherung reichen.
Zum ausführlichen Vergleich🏘️ Wohnen, Mieten & Bauen
Steigende Mieten, eingebrochene Baugenehmigungen und ein auf rund eine Million geschrumpfter Sozialwohnungsbestand machten Wohnen 2025 zu einer der meistgenannten sozialen Fragen des Wahlkampfs. Der Streit lief entlang zweier Achsen: Soll der Staat die Mieten direkt begrenzen – bis hin zu Mietendeckel und Vergesellschaftung – oder soll er vor allem Bauen billiger und schneller machen? Dazu kam die Frage, ob bezahlbarer Wohnraum überwiegend gemeinnützig und öffentlich oder über private Investitionen und Eigentumsförderung entstehen soll. Auffällig ist, dass keines der sieben Programme ein eigenes Neubauziel in Wohnungen pro Jahr nennt.
Zum ausführlichen Vergleich🏫 Bildung, Forschung & Digitales
Schlechte PISA- und IQB-Ergebnisse, fehlende Kita-Plätze, Lehrkräftemangel und ein sanierungsbedürftiger Gebäudebestand haben Bildung 2025 zu einem der meistdiskutierten Themen gemacht – zugleich ist es das Feld, in dem der Bund verfassungsrechtlich am wenigsten zu sagen hat. Der Streit dreht sich deshalb weniger um den Befund als um die Frage, wer zahlt und wer entscheidet: Soll der Bund über Kooperationsverbot und Grundgesetz hinaus in Schulen investieren dürfen, oder bleibt Bildung Ländersache? Dazu kommen Strukturfragen – gegliedertes Schulsystem oder längeres gemeinsames Lernen, Förderschule oder Inklusion – und die Digitalpolitik, wo fast alle Parteien ein Digitalministerium fordern, sich aber bei Datenschutz, KI-Regulierung und Netzausbau deutlich unterscheiden.
Zum ausführlichen Vergleich🗳️ Demokratie, Staat & Verwaltung
Nach dem Bruch der Ampel und einer vorgezogenen Wahl stand nicht nur die Regierungsbildung zur Debatte, sondern auch die Frage, wie handlungsfähig der deutsche Staat noch ist. Die Programme unterscheiden sich darin, ob mehr Demokratie über verbindliche Volksentscheide, über geloste Bürgerräte oder gar nicht auf Bundesebene organisiert werden soll. Zweite Bruchlinie ist der Umgang mit Medien und Meinungsbildung: von der Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks über Reformauflagen bis zur Abschaffung des Rundfunkbeitrags und zur Kritik am Digital Services Act. Hinzu kommen Streitpunkte über Verfassungsschutz und Parteiverbote, über Transparenzregeln für Lobbyismus und Parteienfinanzierung sowie über Umfang und Personal der öffentlichen Verwaltung.
Zum ausführlichen Vergleich3. Positionen im Überblick
Zehn Themen, sieben Parteien, je ein Satz. Die Tabelle lässt sich seitlich scrollen. Jede Zeile führt über den Themennamen zur ausführlichen Fassung mit vollständigen Positionen, wörtlichen Zitaten und Seitenangaben.
| Thema | CDU/CSU | AfD | SPD | Grüne | Die Linke | BSW | FDP |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 💼 Wirtschaft, Steuern & Bürokratie | Unternehmensteuern auf maximal 25 Prozent, Rest-Soli weg, Schuldenbremse bleibt, Lieferkettengesetz abschaffen | Grundfreibetrag 15.000 Euro, Vermögen- und Erbschaftsteuer abschaffen, CO₂-Abgaben streichen, Schuldenbremse strikt einhalten | Deutschlandfonds mit 100 Milliarden Euro, 10-Prozent-Investitionsprämie, Übertragungsnetzentgelte auf 3 Cent gedeckelt | 10-Prozent-Investitionsprämie für fünf Jahre, Deutschlandfonds, Schuldenbremse reformieren, Stromsteuer auf EU-Minimum | Körperschaftsteuer auf 25 Prozent, Vermögensteuer bis 5 Prozent, Schuldenbremse abschaffen, 200 Milliarden für Industrieumbau | Investitionen aus der Schuldenbremse ausklammern, Vermögensteuer ab 25 Millionen, Bürokratiekosten von 146 Milliarden senken | Unternehmensteuerlast unter 25 Prozent, Soli ganz weg, Spitzensteuersatz erst ab 96.600 Euro |
| ⚡ Energie, Klima & Mobilität | Klimaneutral bis 2045, Kohlekompromiss halten, Heizungsgesetz abschaffen, Kernkraft-Wiedereinstieg prüfen, Stromsteuer und Netzentgelte senken. | Kein Klimaziel, Austritt aus dem Pariser Abkommen, Wiedereinstieg in Kernenergie, Windkraft-Ausbaustopp, CO2-Abgabe abschaffen. | Übertragungsnetzentgelte auf 3 Cent/kWh deckeln, Deutschlandticket-Preis halten, Tempolimit 130, E-Auto-Förderung. | Klimaneutralität 2045, 80 Prozent Erneuerbare bis 2030, Kohleausstieg 2030, Verbrenner-Aus 2035, gestaffeltes Klimageld. | Klimaneutral bis 2040, Kohleausstieg 2030, Klimageld 320 Euro pro Person und Jahr, 9-Euro-Ticket zurück. | CO2-Preis abschaffen, Heizungsgesetz und Verbrenner-Verbot zurücknehmen, Nord-Stream-Gas verhandeln, Stromnetze verstaatlichen. | Deutsches Klimaziel 2045 durch EU-Ziel 2050 ersetzen, Emissionshandel als Leitinstrument, Klimadividende, Verbrenner-Aus aufheben. |
| 🌍 Migration & Asyl | Zurückweisungen an der Grenze, Drittstaatenverfahren, Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan, Einbürgerungsreform zurücknehmen. | „Remigration“ als Programmbegriff, GEAS-Opt-out, Asylverfahren außerhalb Deutschlands, Einbürgerung frühestens nach zehn Jahren. | GEAS mit hohen Rechtsstandards umsetzen, Asylentscheidungen in sechs Monaten, Externalisierung ablehnen, Rückführungen konsequent. | Grundrecht auf Asyl verteidigen, keine Auslagerung von Verfahren, Familiennachzug ausweiten, zivile Seenotrettung fördern. | Asylrechtsverschärfungen und GEAS ablehnen, Abschiebungen ablehnen, Frontex auflösen, Einbürgerung nach fünf Jahren. | Kein Aufenthalt bei Einreise aus sicherem Drittstaat, Asylverfahren außerhalb der EU, Migrationspakt kündigen, „Atempause“. | Zurückweisungen modellhaft erproben, Drittstaatenverfahren, Abschiebungen bündeln, Einwanderung in den Arbeitsmarkt erleichtern. |
| 👮 Innere Sicherheit & Justiz | Null-Toleranz-Strategie: Gesichtserkennung, IP-Speicherung, Erwachsenenstrafrecht ab 18, Cannabis-Legalisierung zurücknehmen. | Strafmündigkeit ab 12, Jugendstrafrecht nur bis 18, Waffenrecht neu fassen; gegen Vorratsdatenspeicherung und Videoüberwachung. | Personalaufbau bei Sicherheitsbehörden, neues Bundespolizeigesetz, KI-Datenanalyse, Pakt für den Rechtsstaat, Cannabis-Legalisierung fortführen. | Gut ausgestattete Polizei plus Kennzeichnungspflicht; gegen Vorratsdatenspeicherung und biometrische Erfassung; Waffenrecht verschärfen. | Verfassungsschutz durch unabhängige Beobachtungsstelle ersetzen, Überwachung zurückdrängen, Kennzeichnungspflicht, Drogen entkriminalisieren. | Mehr Personal für Polizei und Justiz, gegen Vorratsdatenspeicherung, Beobachtungsbereich „Delegitimierung des Staates“ abschaffen. | Bürgerrechte vor neuen Befugnissen: Quick Freeze statt Vorratsdatenspeicherung, keine Gesichtserkennung, Cannabis-Legalisierung erhalten. |
| 🛡️ Verteidigung, Außen- & Europapolitik | Waffenlieferungen fortsetzen, aufwachsende Wehrpflicht, Zwei-Prozent-Ziel als Untergrenze, nukleare Teilhabe. | Sanktionen aufheben, Nord Stream instand setzen, Ukraine neutral, Wehrpflicht zurück, keine US-Mittelstreckenwaffen. | Waffen ja, Taurus nein; freiwilliger Wehrdienst; mindestens zwei Prozent des BIP dauerhaft. | Ukraine militärisch weiter stützen, freiwilliger Wehrdienst, dauerhaft deutlich mehr als 2 % des BIP. | Keine Waffenlieferungen, Rüstungsexporte verbieten, keine Wehrpflicht, Zwei-Prozent-Ziel ablehnen. | Waffenstillstand statt Waffen, kein Taurus, keine Wehrpflicht, Zwei-Prozent-Ziel und Sondervermögen ablehnen. | Taurus sofort liefern, keine Wehrpflicht, mindestens 2 % – und mehr, wenn die NATO es beschließt. |
| 🤝 Soziales, Rente & Arbeit | Bürgergeld abschaffen, Renteneintrittsalter halten, Mindestlohn bleibt Sache der Kommission | Rentenniveau langfristig auf westeuropäisches Niveau (rund 70 %), flexibles Renteneintrittsalter | Rentenniveau dauerhaft mindestens 48 %, Mindestlohn 15 Euro ab 2026, keine höhere Regelaltersgrenze | Rentenniveau mindestens 48 %, Rente mit 67 bleibt, Mindestlohn zunächst 15 Euro | Rentenniveau 53 %, Regelaltersgrenze 65, Mindestlohn 15 Euro – spätestens 2026 16 Euro | Mindestlohn sofort 15 Euro, Mindestrente 1.500 Euro nach 40 Jahren, kein höheres Renteneintrittsalter | Flexibler Renteneintritt nach schwedischem Vorbild, Gesetzliche Aktienrente, Bürgergeld-Regelsatz absenken |
| 🏥 Gesundheit & Pflege | Duales System aus GKV und PKV erhalten, Krankenhausreform korrigieren, Pflege-Finanzierungsmix mit privater Zusatzvorsorge, Apotheken stärken. | Fallpauschalen abschaffen, Beiträge senken über Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen, häusliche Pflege stärken, Telematik ablehnen, WHO-Austritt prüfen. | Solidarische Bürgerversicherung mit Einbezug der Privaten, Termingarantie gegen Wartezeiten, Pflege-Eigenanteil auf 1.000 Euro monatlich deckeln. | Bürgerversicherung und Pflegebürgerversicherung, Kapitaleinkünfte verbeitragen, Krankenhausreform fortführen, Notfallreform, höhere Personalschlüssel in der Pflege. | Solidarische Gesundheits- und Pflegevollversicherung, Privatversicherte in die GKV, Beitrag 13,3 Prozent, Fallpauschalen und Eigenanteile abschaffen. | Bürgerversicherung statt Zwei-Klassen-Medizin, Zusatzbeiträge abschaffen, Krankenhausschließungen stoppen, steuerfinanzierte Pflegevollversicherung. | Duales System aus GKV und PKV, Einheitskasse ablehnen, Primärarztsystem, GKV-Ausgaben an Einnahmen koppeln, kapitalgedeckte Pflegevorsorge. |
| 🏘️ Wohnen, Mieten & Bauen | Bauordnungsrecht entschlacken, Baukostenmoratorium, Sonderabschreibung; Grunderwerbsteuer-Freibetrag 250.000 Euro pro Erwachsenem; Mieterschutz bleibt allgemein. | Mietpreisbremse und Mietendeckel ablehnen, sozialer Wohnungsbau „gescheitert“: mehr Wohngeld; Grunderwerbsteuer für Selbstnutzer streichen, 20 Prozent für Nicht-EU-Käufer. | Mietpreisbremse unbefristet und ausgeweitet, Mieterhöhungen höchstens sechs Prozent in drei Jahren, Wohngemeinnützigkeit ausbauen, Wohnungslosigkeit bis 2030 beenden. | Mietpreisbremse verlängern und Ausnahmen streichen, Kappungsgrenzen senken, Mietenstopp ermöglichen, Bundesmittel für sozialen Wohnungsbau erhöhen. | Bundesweiter Mietendeckel, sechs Jahre keine Mieterhöhungen, 20 Milliarden Euro jährlich für gemeinnützigen Wohnraum, Konzerne ab 3.000 Wohnungen vergesellschaften. | Bundesweiter Mietendeckel statt Mietpreisbremse, Mieten bis Ende des Jahrzehnts einfrieren, gemeinnütziger Wohnungsbau nach Wiener Vorbild. | Mietpreisbremse auslaufen lassen, kein Mietendeckel, Baukostenmoratorium und Genehmigungsfiktion, Grunderwerbsteuerfreibetrag 500.000 Euro. |
| 🏫 Bildung, Forschung & Digitales | Sprachtests und Vorschulpflicht bei Förderbedarf, DigitalPakt 2.0, 3,5 % des BIP für Forschung, Bundesdigitalministerium. | Mehrgliedriges Schulsystem, Förderschulen als Regelfall, Schulpflicht zu Bildungspflicht, Diplom statt Bachelor, keine Genderforschung. | Startchancenprogramm auf Kitas ausweiten, Ganztagsanspruch einlösen, BAföG-Vollzuschuss, Digitalministerium für die Verwaltung. | Kooperationsverbot abschaffen, Zukunftsinvestitionsprogramm Bildung, Inklusion nach UN-BRK, Digitalministerium, über 3,5 % des BIP für Forschung. | 100-Milliarden-Sondervermögen für Bildungsbau, Kooperationsverbot aufheben, eine Schule für alle, gebührenfreie Kitas, BAföG als Vollzuschuss. | Kooperationsverbot aufheben, Bildungsrahmengesetz, Handys aus der Grundschule, längeres gemeinsames Lernen, 4 % des BIP für Forschung. | Bildungsföderalismus reformieren, KMK abschaffen, Deutschland-Abitur, Chancenbudget für Schulen, elternunabhängiges BAföG, Digitalministerium. |
| 🗳️ Demokratie, Staat & Verwaltung | ÖRR reformieren, Ampel-Wahlrecht abschaffen, Verwaltungspersonal reduzieren; keine bundesweiten Volksentscheide im Programm. | Volksentscheide nach Schweizer Vorbild, Direktwahl des Bundespräsidenten, Rundfunkbeitrag abschaffen, Verfassungsschutz grundlegend reformieren. | Geloste Bürgerräte etablieren, Wahlalter 16, ÖRR auskömmlich finanzieren, Verwaltungsdigitalisierung in einem Ministerium bündeln. | Auf AfD-Verbotsantrag hinwirken, Wahlalter 16, Volksinitiative prüfen, Parteispenden deckeln, ÖRR auskömmlich finanzieren. | Volksentscheide auf Bundesebene, Wahlalter 16, Verfassungsschutz ersetzen, Unternehmensspenden verbieten, ÖRR erhalten. | Volksentscheide per Grundgesetzänderung, ÖRR reformieren statt abschaffen, keine Beitragserhöhung, Demokratiefördergesetz ablehnen. | Generalinventur und Föderalismusreform, schlankerer ÖRR mit deutlich gesenktem Beitrag, eigenes Digitalministerium. |
4. Die Parteien im Detail
Sieben Parteien, sortiert nach dem Zweitstimmenergebnis vom 23. Februar 2025. Zu jeder Partei: das Programm und sein Umfang, die Spitzenkandidatur, die inhaltlichen Schwerpunkte und die Rolle, die sie nach der Wahl einnahm.
CDU/CSU
Programm: „Politikwechsel für Deutschland“ · 82 Seiten
„Politikwechsel“ — Wirtschaftswende durch Entlastung und Deregulierung, harte Migrationskurskorrektur.
- Steuern und Bürokratie: Unternehmensteuerlast unter 25 Prozent senken, Einkommensteuertarif abflachen, Bürokratie zurückschneiden.
- Migration: Zurückweisungen an den Grenzen, Ende der „Turbo-Einbürgerung“, faktischer Aufnahmestopp für irreguläre Migration.
- Energie: Technologieoffenheit statt Vorgaben, Rückbau des Heizungsgesetzes, Klimaneutralität 2045 wird gehalten.
- Sicherheit: mehr Befugnisse für Polizei und Nachrichtendienste, biometrische Gesichtserkennung, IP-Mindestspeicherung.
- Verteidigung: mindestens 2 Prozent des BIP, aufwachsender Wehrdienst.
Rolle nach der Wahl: Ging als Wahlsieger hervor, stellt seit dem 6. Mai 2025 mit Friedrich Merz den Bundeskanzler.
Alle zehn Themen im VergleichAfD
Programm: „Zeit für Deutschland“ · 177 Seiten
Gegenprogramm zur bisherigen Politik in fast allen Feldern — mit dem längsten der sieben Programme.
- Migration: „Remigration“, Grenzschließung, Rückabwicklung von Aufenthaltstiteln.
- Energie: Ausstieg aus dem Pariser Abkommen, Rückkehr zur Kernkraft, Abschaffung des CO2-Preises.
- EU und Außenpolitik: grundlegende Vertragsrevision bis hin zum Austritt, Aufhebung der Russland-Sanktionen.
- Wirtschaft: Steuersenkungen, Rückbau von Klimaauflagen, Ende der Subventionspolitik.
- Staat: Volksentscheide auf Bundesebene, Umbau des Verfassungsschutzes, Abschaffung des Rundfunkbeitrags.
Rolle nach der Wahl: Zweitstärkste Kraft und größte Oppositionsfraktion; alle anderen Fraktionen schließen eine Zusammenarbeit aus.
SPD
Programm: „Mehr für Dich. Besser für Deutschland.“ · 68 Seiten
„Mehr für Dich“ — Entlastung der arbeitenden Mitte, Investitionen über einen kreditfinanzierten Deutschlandfonds.
- Arbeit und Rente: Mindestlohn 15 Euro, Rentenniveau mindestens 48 Prozent, Tariftreuegesetz.
- Investitionen: Deutschlandfonds mit anfangs 100 Milliarden Euro, Reform der Schuldenbremse.
- Gesundheit: Bürgerversicherung mit Finanzausgleich zwischen gesetzlicher und privater Versicherung.
- Wohnen: unbefristete Mietpreisbremse, Ausbau des sozialen Wohnungsbaus.
- Verteidigung: Waffenlieferungen an die Ukraine ja, Taurus ausdrücklich nein.
Rolle nach der Wahl: Trotz historisch schlechtem Ergebnis Koalitionspartner; stellt Vizekanzler und Finanzminister.
Alle zehn Themen im VergleichGrüne
Programm: „Zusammen wachsen“ · 160 Seiten
„Zusammen wachsen“ — Klimaschutz und wirtschaftliche Modernisierung als ein zusammenhängendes Projekt.
- Klima: Klimaneutralität 2045, Klimageld als Rückverteilung der CO2-Einnahmen.
- Wirtschaft: Investitionsklausel in der Schuldenbremse, Deutschlandfonds, günstiger Industriestrom.
- Soziales: Mindestlohn 15 Euro, Rentenniveau mindestens 48 Prozent, Kindergrundsicherung.
- Verteidigung: deutlich mehr als 2 Prozent des BIP, Fortsetzung der Ukraine-Unterstützung.
- Demokratie: Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens, Stärkung des Verfassungsschutzes, Bürgerräte.
Rolle nach der Wahl: Opposition; stimmte im März 2025 der Grundgesetzänderung zu Sondervermögen und Verteidigungsausgaben zu.
Alle zehn Themen im VergleichDie Linke
Programm: „Alle wollen regieren. Wir wollen verändern.“ · 60 Seiten
„Alle wollen regieren. Wir wollen verändern.“ — Umverteilung als Antwort auf Preise, Mieten und Armut.
- Preise und Mieten: bundesweiter Mietendeckel, Vergesellschaftung von Konzernen ab 3.000 Wohnungen.
- Steuern: Vermögensteuer, höhere Erbschaftsteuer, Abschaffung der Schuldenbremse — mit bezifferten Aufkommensschätzungen.
- Rente: Rentenniveau 53 Prozent, Renteneintritt mit 65.
- Gesundheit: solidarische Bürgerversicherung mit vollständiger Überführung der Privatversicherten.
- Außen: keine Waffenlieferungen, Ablehnung des NATO-Ausgabenziels.
Rolle nach der Wahl: Opposition; größter Zugewinn aller Parteien, Ergebnis nahezu verdoppelt.
Alle zehn Themen im VergleichBSW
Programm: „Unser Land verdient mehr!“ · 45 Seiten
„Unser Land verdient mehr!“ — soziale Umverteilung verbunden mit Migrationsbegrenzung und Verhandlungskurs im Ukraine-Krieg.
- Außen: keine Waffenlieferungen, Verhandlungslösung, Ablehnung des NATO-Ausgabenziels.
- Energie: Abkehr vom bisherigen Kurs, Kritik an Energiepreisen, Bekenntnis zum Pariser Abkommen ohne eigenes Zieljahr.
- Soziales: Mindestlohn 15 Euro, Rentenmodell nach österreichischem Vorbild, Grundfreibetrag bei Sozialabgaben.
- Wirtschaft: Investitionen durch Ausklammerung aus der Schuldenbremse.
- Migration: Begrenzung der Zuwanderung, Kontrolle der Außengrenzen.
Rolle nach der Wahl: Scheiterte mit 4,981 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde; Wahlprüfungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht ist weiterhin anhängig.
FDP
Programm: „Alles lässt sich ändern“ · 52 Seiten
„Alles lässt sich ändern“ — Angebotspolitik, Entlastung, Rückbau staatlicher Vorgaben.
- Steuern: Entlastung von Unternehmen und Einkommen, Beibehaltung der Schuldenbremse, keine Vermögensteuer.
- Energie: Rückkehr zur Kernkraft, Ersetzen des Zieljahres 2045 durch das EU-Ziel 2050, Emissionshandel als Leitinstrument.
- Bildung: Änderung der Bund-Länder-Kompetenzordnung, „weltbeste Bildung“ als Leitmotiv.
- Rente: Aktienrente statt Niveauzusage, flexibles Renteneintrittsalter.
- Migration: Steuerung über Arbeitsmigration, striktere Rückführung.
Rolle nach der Wahl: Nach dem Bruch der Ampel-Koalition mit 4,33 Prozent aus dem Bundestag ausgeschieden.
Alle zehn Themen im Vergleich5. Wie man ein Wahlprogramm liest
Diese Wahl ist entschieden. Die Methode, mit der man sieben Programme vergleicht, ist es nicht — sie lässt sich auf jede kommende Wahl anwenden. Acht Schritte, die sich bei der Auswertung dieser sieben Texte als nützlich erwiesen haben.
Die eigene Reihenfolge festlegen
Kein Programm passt vollständig zu einer Person. Nützlicher als die Frage „Wer ist mir am nächsten?“ ist die Frage „Welche drei Themen entscheiden für mich?“. Erst danach lohnt der Vergleich — sonst gewinnt immer die Partei mit dem längsten Programm.
Zahlen von Absichten unterscheiden
„Wir wollen die Renten sichern“ ist keine Position, „Rentenniveau mindestens 48 Prozent“ ist eine. Beim Mindestlohn nennen vier der sieben Parteien eine Zahl, drei nicht. Wer eine Zahl nennt, macht sich überprüfbar — das ist der eigentliche Unterschied.
Prüfen, ob der Bund es überhaupt darf
Bildung liegt bei den Ländern, Polizei ebenfalls, Handels- und Sanktionspolitik bei der EU. Ein Versprechen an einer Stelle, an der der Bund nicht zuständig ist, bedeutet nicht, dass es unehrlich wäre — aber es braucht einen zweiten Schritt, der im Programm meist nicht beschrieben ist.
Nach der Gegenrechnung suchen
Sechs der sieben Programme enthalten keine Gegenfinanzierungsrechnung. Nur Die Linke weist Aufkommensschätzungen je Maßnahme aus, addiert sie aber nicht. Das ist eine Beobachtung über die Texte, kein Urteil über die Politik — aber es erklärt, warum sich Programme leicht lesen und schwer umsetzen lassen.
Die Leerstellen mitlesen
Was fehlt, sagt oft mehr als was dasteht. Die AfD nennt auf 177 Seiten keine Zahl zum Verteidigungshaushalt. CDU/CSU erwähnen die Mietpreisbremse nicht. Keine der sieben Parteien nennt ein eigenes Neubauziel in Wohnungen pro Jahr. Eine Leerstelle wird erst im Verhältnis zur Programmlänge aussagekräftig.
Bilanz statt nur Versprechen prüfen
Was eine Partei in Regierungsverantwortung tatsächlich getan hat, ist die härtere Information. Genau dafür gibt es die dritte Seite dieses Wegweisers: Sie stellt die Versprechen von 2025 dem gegenüber, was bis heute daraus geworden ist.
Die Koalitionsarithmetik mitdenken
Kein Programm wird eins zu eins Regierungspolitik. 2025 zeigte das besonders deutlich: Über die Regierungsbildung entschied am Ende nicht die Programmatik, sondern dass zwei Parteien knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten.
Ergänzende Werkzeuge nutzen
Der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung vergleicht 38 Thesen und ist eine gute Ergänzung, aber kein Ersatz: Er gewichtet Themen anders und bildet Begründungen nicht ab. Diese Seite und der Wahl-O-Mat beantworten unterschiedliche Fragen.
6. Von der Wahl zur Regierung
Zwischen Wahltag und Amtsantritt lagen zweieinhalb Monate. Der Weg dorthin erklärt einiges daran, wie die Programme anschließend in Regierungshandeln übersetzt wurden — und wie nicht.
| Datum | Was geschah |
|---|---|
| 23.02.2025 | Wahltag. Wahlbeteiligung 82,5 Prozent. |
| 08.03.2025 | Sondierungspapier von CDU, CSU und SPD. |
| 18.03.2025 | Der alte Bundestag beschließt mit 512 zu 206 Stimmen die Grundgesetzänderung: 500 Milliarden Euro Sondervermögen Infrastruktur, Ausnahme der Verteidigungsausgaben oberhalb eines Prozents des BIP von der Schuldenbremse, Klimaneutralität 2045 als Zweckbindung. Der Bundesrat stimmt am 21. März zu. Im neu gewählten Bundestag hätten AfD und Linke gemeinsam eine Sperrminorität gegen Grundgesetzänderungen gehabt. |
| 25.03.2025 | Konstituierung des 21. Bundestags. Julia Klöckner wird Bundestagspräsidentin. |
| 09.04.2025 | Koalitionsvertrag „Verantwortung für Deutschland“ wird vorgestellt (146 Seiten). |
| 30.04.2025 | SPD-Mitgliedervotum: 84,6 Prozent Zustimmung bei 56 Prozent Beteiligung. |
| 05.05.2025 | Unterzeichnung des Koalitionsvertrags. |
| 06.05.2025 | Kanzlerwahl. Friedrich Merz verfehlt im ersten Wahlgang mit 310 von 316 nötigen Stimmen die Mehrheit — der erste solche Fall in der Geschichte der Bundesrepublik. Im zweiten Wahlgang am Nachmittag wird er mit 325 Stimmen gewählt. |
Warum es für Schwarz-Rot reichte
Union und SPD kamen zusammen auf 45,0 Prozent der Zweitstimmen — deutlich weniger, als eine Zweierkoalition normalerweise braucht. Möglich wurde die Mehrheit nur, weil 13,7 Prozent der Zweitstimmen auf Parteien entfielen, die den Einzug verpassten; das ist der höchste Anteil unrepräsentierter Stimmen in der Geschichte der Bundesrepublik. Die 328 Sitze von Union und SPD entsprechen 52 Prozent der 630 Mandate.
Quellen & Methode
Die sieben ausgewerteten Wahlprogramme (Primärquellen)
| Partei | Titel | Umfang |
|---|---|---|
| CDU/CSU | „Politikwechsel für Deutschland“ | 82 Seiten (PDF) |
| AfD | „Zeit für Deutschland“ | 177 Seiten (PDF) |
| SPD | „Mehr für Dich. Besser für Deutschland.“ | 68 Seiten (PDF) |
| Grüne | „Zusammen wachsen“ | 160 Seiten (PDF) |
| Die Linke | „Alle wollen regieren. Wir wollen verändern.“ | 60 Seiten (PDF) |
| BSW | „Unser Land verdient mehr!“ | 45 Seiten (PDF) |
| FDP | „Alles lässt sich ändern“ | 52 Seiten (PDF) |
Wahlrecht, Ergebnis und Verfahren
- Die Bundeswahlleiterin: Amtliches Endergebnis der Bundestagswahl 2025, festgestellt am 14. März 2025.
- Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 30. Juli 2024 (2 BvF 1/23 u. a.) zur Wahlrechtsreform, Zweitstimmendeckung und Grundmandatsklausel.
- Deutscher Bundestag: Vertrauensfrage vom 16. Dezember 2024; Beschluss über die Wahleinsprüche vom 18. Dezember 2025 (Drucksache 21/3100).
- Bundespräsidialamt: Auflösung des 20. Deutschen Bundestages, 27. Dezember 2024.
- Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 13. März 2025 zu den Eilanträgen des BSW; Wahlprüfungsbeschwerde vom 18. Februar 2026 weiterhin anhängig.
Regierungsbildung
- Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD für die 21. Wahlperiode: „Verantwortung für Deutschland“, unterzeichnet am 5. Mai 2025.
- Deutscher Bundestag: Kanzlerwahl am 6. Mai 2025, erster und zweiter Wahlgang.
- Deutscher Bundestag und Bundesrat: Grundgesetzänderung vom 18. bzw. 21. März 2025 (Art. 109, 115, 143h GG).
Verfassungsschutz
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Einstufung der AfD als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“, 2. Mai 2025.
- Verwaltungsgericht Köln, Beschluss vom 26. Februar 2026 (13 L 1109/25); Verzicht des Bundesinnenministeriums auf Beschwerde, 3. März 2026. Hauptsacheverfahren offen.